Vor vier Jahren, am 16.11.2016, schrieb ich einen kurzen Post zu einem kleinen verwilderten Stückchen Land in Tübingen, eingeklemmt zwischen drei Straßen, auf dem Disteln, Brennesseln und Kletten wuchern durften und das in dieser Zeit etwa zur Hälfte planiert wurde, um in der Mietpreishölle Tübingen einem Möbelhaus Platz zu machen, aber natürlich nicht etwa einem Möbelhaus für Normalsterbliche, sondern einem auf Massivholz- & Gartenmöbel spezialisierten, das nur für die Kunden taugt, die sich Dreizimmerwohnungen für 450 000 Euro leisten können, und wo man sich fragt, wofür die eigentlich Gartenmöbel brauchen, weil in Tübingen ja keine Gärten mehr vorgesehen sind zwischen Egeria-Viertel und Güterbahnhofareal, wo alles so dicht zusammen wohnt, dass auf den Balkonen nurmehr Platz für Klappstühle ist, aber bitte schön aus Massivholz. Jedenfalls hat es jetzt die andere Hälfte des Gestrüppdickichts erwischt, wer braucht schon Disteln, Brennnesseln und wilde Brombeeren außer Distelfinken, Schmetterlingen und Igeln, platt ist alles gemacht worden und welche Partei spricht noch mal ständig von der zu verhindernden Bodenversiegelung?, egal, keine Ahnung was da hinkommt, vermutlich eine Kaffeerösterei, ein Soja-Shop oder ein Sockenladen, auf jeden Fall sei hiermit bekräftigt: ich bin nicht einverstanden!
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Freitag, 19. Juni 2020
Sonntag, 1. September 2019
Deutschland, ein Nordsee-Märchen
Es waren einmal ein Immobilienmakler und seine Frau, eine
Innenarchitektin, die wohnten zusammen in einer Dreizimmerwohnung in einer mittelgroßen
Stadt in Niedersachsen, und obwohl es recht weit war, fuhr der Immobilienmakler
jeden Tag in seinem VW Scirocco an die Nordsee-Küste und angelte.
So saß er auch einmal mit seiner Angel und schaute immer in das klare Wasser hinein, und er saß und saß. Da ging die Angel auf den Grund, tief, tief hinab, und wie er sie heraufholte, da zog er einen großen Butt heraus. Da sagte der Butt zu ihm: »Höre, [Immobilienmakler], ich bitte dich, laß mich leben, ich bin kein richtiger Butt, ich bin ein verwünschter Prinz. […] Setz mich wieder ins Wasser und laß mich schwimmen! (Quelle)
Ich werde Dir
und Deiner Frau alle Wünsche erfüllen!" „Nun ja“, sagte der Immobilienmakler, „meine Frau und
ich, wir hätten doch gerne ein Häuschen ein bisschen näher am Meer. Es gibt da
so ein Neubaugebiet in ***siel, da hätte ich gerne ein typisch ostfriesisches Backsteinhaus.“
„Okay“, sagte der Butt, „wenn’s weiter nichts ist!“
„Na ja“, sagte der Immobilienmakler, „ein Garten sollte
natürlich schon dabei sein, mit einer Blumenrabatte zur Straße hin, damit es
auch ordentlich Eindruck macht.“
„Genehmigt“, sagte der Butt.
„Wobei“, dachte der Immobilienmakler laut nach, „wenn die
Terrasse zur Straße geht, dann sollte sie auch blickdicht abgeschirmt sein.
Schließlich soll nicht jeder sehen können, wen ich gerade zu Besuch habe. Ich
wünsche mir daher eine blickdichte und wetterfeste Plexiglas-Konstruktion um
meine Terrasse herum.“
„Das lässt sich machen“, seufzte der Butt.
„Wichtig ist aber auch“, schob der Immobilienmakler nach,
„dass der Rasen immer ordentlich gemäht ist. Man möchte ja schließlich von den
Nachbarn nicht schief angeschaut werden, wie schnell ist man als Hippie oder
Öko verschrien! Ich brauche unbedingt einen Rasenmäher-Roboter, am liebsten den
Husqvarna Mähroboter Automower 450X.“
„Ist gut“, versprach der Butt, „von dem habe ich auch nur
Gutes gehört.“
„Wenn man es recht bedenkt“, spann der Immobilienmakler
den Faden weiter, „regnet es doch ziemlich oft hier in an der Nordsee. Das würde dem
empfindlichen Gerät wahrscheinlich schaden. Und wenn ich schon einen
Rasenmäher-Roboter habe, der sich sozusagen selbständig um die korrekte Länge
meines Rasens kümmert, habe ich doch keine Lust, das Ding immer aus dem Haus in
den Garten zu tragen und dann wieder hinein. Da könnte ich ja gleich selbst
mähen oder mir einen Hund kaufen.“
„War’s das jetzt?“, knurrte der Butt. „Mir ist etwas zu unbequem
für so lange Unterhaltungen.“
„Ich hab’s!“, rief der Immobilienmakler freudig aus, „mein
letzter Wunsch: eine Garage für Mähroboter!“ Und er strahlte.
Der Butt verzog sein breites Butt-Maul und nickte
ergeben.
Freitag, 21. Juni 2019
Im Bild(e) sein
Letzte Woche waren wir im Zoo (Bioparc Valencia), diese Woche im Aquarium (Oceanografic Valencia).
Im Zoo war vor wenigen Wochen ein kleiner Gorilla zur Welt gekommen. Kein Wunder, dass sich vorm Gorilla - Gehege die Menschen drängten. Aber die meisten schauten gar nicht in das Gehege hinein, sondern standen mit dem Rücken zu den Tieren. Warum? Weil sie Selfies mit den Gorillas im Hintergrund aufnahmen. So lange, bis sie mit der Qualität der Aufnahme zufrieden waren.
Im Zoo war vor wenigen Wochen ein kleiner Gorilla zur Welt gekommen. Kein Wunder, dass sich vorm Gorilla - Gehege die Menschen drängten. Aber die meisten schauten gar nicht in das Gehege hinein, sondern standen mit dem Rücken zu den Tieren. Warum? Weil sie Selfies mit den Gorillas im Hintergrund aufnahmen. So lange, bis sie mit der Qualität der Aufnahme zufrieden waren.
Im Groß-Aquarium
von Valencia gibt es einen Tunnel, der durch das Aquarium führt, in dem
u.a. Haie und Rochen schwimmen. Man sieht diese eindrucksvollen Tiere neben
sich und über sich durchs Wasser gleiten. Doch auch hier folgt nicht das
Auge den Bewegungen der Tiere, sondern die Frontkamera des Smartphones.
Warum gehen Menschen in einen Zoo, in dem
es, sagen wir mal, Löwen zu sehen gibt? Es gibt hunderte von Tierfilmen zu allen bekannten
Spezies, in denen ich Löwen bei der Jagd beobachten kann, statt wie im
Zoo nur beim Dösen oder Im-Kreis-herumlaufen.
Die Menschen gehen in den Zoo, weil sie die Löwen als echte Tiere wahrnehmen möchten.
Warum aber schauen heute viele
Besucher die Tiere gar nicht mehr direkt an?
Weil es ihnen nicht um die Tiere
geht, sondern um sich selbst. Sie wollen nicht das Nashorn sehen, das
Stärke ausstrahlt und mit seiner dicken Haut archaisch aussieht, sondern sie suchen lediglich
einen neuen Hintergrund für ein im Wesentlichen stets gleichbleibendes Motiv:
sich selbst.
Zoos und Großaquarien behaupten seit einiger Zeit, sie
hätten einen ökologischen Auftrag, weil sie durch ihr Angebot dafür
sorgten, dass der Schutz bedrohter Tiere immer wieder neu ins Bewusstsein gerufen werde.
Denn nur was man kenne, könne man auch schützen wollen. Diese
Selbstrechtfertigung wird durch das oben beschriebene Verhalten
zahlreicher Besucher ad absurdum geführt, die nichts kennenlernen und
sich nicht informieren wollen, sondern Tiere in Gefangenschaft als
Fotoposter verwenden.
Vielleicht sollten die aufwendig gestalteten Plakate, die über die
Lebensbedingungen der Tiere in freier Wildbahn sowie den aktuellen
Bestand informieren, zukünftig in Spiegelschrift verfasst werden: so könnten
wenigstens die sicherlich zahlreichen Follower auf Instagram in den Genuss dieser Informationen
kommen - und sie an die Fotografen weiterleiten.
![]() |
| Paar ohne Smartphone (unten rechts) vor düsterem Abendhimmel |
Freitag, 24. Mai 2019
Aller (Neu-)Anfang ist schwer
Wie fängt man nach fünf Monaten (Zwangs-)Pause wieder an zu bloggen? Am besten mit einem Stimmungsbild.
Sonntag, 14. Oktober 2018
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