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Montag, 2. März 2015

Steinbrücke

Wenn ich das recht verstehe, ist Adana also deutlich älter, als alle deutschen und wahrscheinlch auch die meisten anderen mittel- und westeuropäischen Städte: In Deutschland gelten von den Römern gegründete Städte wie Trier als die ältesten. Aber Rom selbst ist ja im Vergleich zu mesopotamischen, phönizischen oder griechischen Städten verhältnismäßig jung - wir erinnern uns: 753 - Rom springt aus dem Ei.
Was gilt dann eigentlich als älteste Stadt der Welt, die noch bewohnt wird? Die ältesten Zivilisationen kennt man ja aus Ägypten und dem sogenannten Fruchtbaren Halbmond, der von Südostanatolien und Palästina über das Zweistromland, also Mesopotamien reicht. Da Städte wie Sumer und Babylon nicht mehr existieren, wären mir als erste Kandidaten Kairo, Athen und Jerusalem eingefallen. Der Wikipedia Liste historischer Stadtgründungen zufolge scheint sich Jericho als älteste Stadt der Welt zu vermarkten. Eine der ältesten Städte, im Fruchtbaren Halbmond gelegen, wird übrigens demnächst nicht mehr viel Historisches enthalten: Aleppo.

Das Reich der Hethiter, übrigens zur Regierungszeit des Großkönigs mit dem schönen Namen Suppiluliuma II., zerbrach vermutlich unter dem Ansturm der mysteriösen sogenannten Seevölker. "Das gesamte Staatensystem der vorderasiatischen Welt stand vor dem Umbruch, für den auch der nach ägyptischen Quellen sogenannte Seevölkersturm mitverantwortlich war. In einem Brief, den der König von Alasija, d.h. von Zypern, an den König von Ugarit geschrieben hat, wird vor den Schiffen gewarnt, die den gesamten östlichen Mittelmeerraum in Unruhe versetzten. Ein hethitischer Text berichtet gar von einer Seeschlacht bei Alasija. Wer diese Seevölker - eine mehr oder weniger lockere Sammlung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen, die um 1200 herum eine Art Völkerwanderung auslösten - eigentlich waren, ist bis heute nicht völlig geklärt, insbesondere ist fraglich, was die Ursache für diese Wanderbewegung eigentlich gewesen sein könnte." (Klinger, S. 117). Eigentlich ist es ja auch relativ egal, was der Grund war - spannend ist doch, dass es solch wichtige Ereignisse gegeben hat, von denen immer noch fast nichts bekannt ist.
Von diesen Ereignissen dürften auch die Luwier in Kizzuwatna betroffen gewesen sein. Später wurde die Gegend, die bei den Römern die Provinz Cilicia (griechisch Κιλικία) bildete und heute Çukorova heißt, Teil des Perserreiches. Nach Alexanders Siegen gegen Dareios wurde es ins makedonische Reich eingegliedert, danach ins Diadochenreich des Seleukos. In dieser Zeit trug Adana - wie viele andere Städte im Seleukidenreich auch - den Namen Antiochia, nach Antiochos IV., einem Seleukidenherrscher im 2. Jh. v. Chr. Die berühmteste Stadt dieses Namens ist das heutige Antakya. Es liegt nur etwa 190 km entfernt von Adana am Fluss Orontes, heute Nahr al-Asi.
Mit der Schaffung von Provinzen im Osten tat Rom sich lange Zeit schwer. Durch die Schwäche des Seleukidenreiches und verschiedene Koalitionswechsel mit und gegen Rom blieb den Römern aber schließlich nichts anderes übrig. Cilicia bildete erst als Vasallenstaat eine Pufferzone zum Reich der Parther hin und wurde dann um ca. 70 v. Chr. römische Provinz: "Imperien enden meist nicht, wie moderne Natinalstaaten, an einer klar definierten Grenzlinie; sie laufen eher an ihrer Peripherie in einen breiten Grenzsaum aus, in dem die vom Zentrum ausgehende Macht und der von ihm ausstrahlende kulturelle Einfluss mit zunehmender Entfernung allmählich abnehmen." (Sommer, S. 51f.)

Den Römern verdankt Adana letztlich, trotz weit älterer Geschichte, sein ältestes Bauwerk, die Taşköprü (Taş = Stein, köprü = Brücke). Sie soll die älteste noch benützte Brücke der Welt sein.

By MUSTAFA TOR (tr:Resim:Taşköprü'nün Panoramik Fotoğrafı.jpg) [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons


















Quellen:
Jörg Klinger, Die Hethiter, München 2007.
Michael Sommer, Der römische Orient. Zwischen Mittelmeer und Tigris, Darmstadt 2006.

Freitag, 30. Januar 2015

Die Fähre

In der Nähe von Punta del Este/Uruguay befindet sich eine Lagune; sie heißt Laguna Garzón. Wer auf der parallel zur Küste verlaufenden Straße von Norden nach Süden unterwegs ist (Ruta 10), muss die Lagune überqueren. Hierzu muss eine Fähre benutzt werden. Eigentlich ist es keine richtige Fähre, sondern eine Art schwimmende Plattform, die an einem Motorboot festgemacht ist, dessen Motor nur 30 PS hat. Dementsprechend langsam verläuft die Überfahrt auf der von drei Männern gesteuerten Fähre.

Am westlichen Ufer der Lagune ragt die Bauruine einer Brücke einige Meter aufs Wasser hinaus.
Zwei Geschichten werden über diese Brücke erzählt. Laut der ersten sollten zwei Gemeinden eine Brücke über die Lagune bauen; die eine baute ihren Teil, die andere nicht. Nach der zweiten Geschichte besaß ein Mann Land im Süden der Lagune, ein Argentinier. Er wollte das Land verkaufen und behauptete daher, eine Brücke bauen zu wollen. Er begann den Bau, doch bald schon war alles Land verkauft. Daher baute er die Brücke nicht zu Ende.

Mittlerweile ist der Bau einer neuen Brücke geplant. http://www.espectador.com
Schade.

Man sieht sogar die Fähre auf dem Bild.