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Montag, 11. September 2017

Aufstellung

Ich weiß, den meisten, die meinen Blog lesen, ist das ziemlich egal, aber erstaunlich viele Menschen beschäftigen sich gerade mit der Frage, wie der neue Trainer von Borussia Dortmund, Peter Bosz, mit dem viel zu großen Kader umgehen soll. Mich beschäftigt eigentlich weniger diese Frage als vielmehr der Zweifel, ob das wirklich ein so drängendes Problem oder nicht vielmehr ein Versuch ist, Schlagzeilen und Klickzahlen zu generieren. Ich habe mir daher mal die Mühe gemacht, den aktuellen Kader des BVB unter die Lupe zu nehmen und nach vier Kategorien zu unterteilen: einsatzfähig (nicht markiert), Nachwuchsspieler, aussortiert und verletzt (alle kursiv). Mit der Kategorie "aussortiert" bezeichne ich die Spieler, die in der letzten Transferperiode hätten wechseln dürfen, wenn es ein Angebot gegeben hätte. Es versteht sich von selbst, dass ich nicht bei allen Spielern mit dieser Einschätzung einverstanden bin. Mit der Etikettierung als "Nachwuchsspieler" ist gemeint, dass es sich hierbei um Spieler handelt, die aufgrund ihrer geringen Erfahrung keine Ansprüche auf einen Platz in der ersten Elf haben.
Das Ergebnis der Einteilung ist wenig überraschend: für den 18-Kader muss Bosz keinen einzigen arrivierten Spieler auf die Tribüne verbannen: nimm das, Sport Bild!
Torhüter:
1. Bürki, Roman (38)
   Reimann, Dominik (35) - Nachwuchsspieler 
3. Weidenfeller, Roman (1) 
Abwehr:
4. Bartra, Marc (5)
   Durm, Erik (37) - verletzt
   Guerreiro, Raphael (13) - verletzt  
   Park, Joo-Ho (3) - aussortiert  
5. Piszczek, Lukasz (26)
   Schmelzer, Marcel (29) - verletzt
6. Sokratis (25)
   Subotic, Neven (4) - aussortiert  
7. Toljan, Jeremy (15)
8. Toprak, Ömer (36)
   Zagadou, Dan-Axel (2) - Nachwuchsspieler
Mittelfeld:
9. Castro, Gonzalo (27)
10. Dahoud, Mahmoud (19)
11. Götze, Mario (10)
12. Kagawa, Shinji (23)
   Larsen, Jacob Bruun (34) - Nachwuchsspieler 
13. Pulisic, Christian (22)
   Reus, Marco (11) - verletzt
   Rode, Sebastian (18) - verletzt
14. Sahin, Nuri (8)
   Sancho, Jadon (7) - Nachwuchsspieler
15. Weigl, Julian (33)
Sturm:
16. Aubameyang, Pierre-Emerick (17)
   Isak, Alexander (14) - Nachwuchsspieler
17. Philipp, Maximilian (20)
   Schürrle, André (21) - verletzt
18. Yarmolenko, Andrey (9)
q. e. d.

Sonntag, 11. Juni 2017

Kulturschock Kunstrasen

Es gibt ja viele Bereiche, in denen man Spanien (Valencia) und Deutschland (Tübingen) miteinander vergleichen kann: Bierkultur, Fußball, ÖPNV... Für hauptamtliche Eltern drängt sich allerdings vor allem der Vergleich der Spielplatz - Situation hier wie dort auf.
Zunächst einmal muss man zugestehen: in Valencia gibt es deutlich mehr Spielplätze als im ach so familienfreundlichen Tübingen. Diese finden sich an den verschiedensten Orten:  an U-Bahn-Haltestellen, in Straßenecken und vor allem zwischen den typischen großen Häuserblocks.  Besonders wichtig aber und in meinen Augen die beachtlichste Spielplatz - Innovation: fast immer befindet sich direkt daneben eine Bar! In Deutschland muss man für einen solchen Service schon ein Waldheim oder ein Naturfreundehaus aufsuchen - in Tübingen gibt es sogar Spielplätze ohne Bänke! Was drückt das für ein Elternverständnis aus?!! Dabei ist es keineswegs so, als würden spanische Eltern ihren Zöglingen weniger besorgt hinterher rennen als deutsche, eher im Gegenteil. Dazu besteht andererseits aber in Spanien deutlich weniger Anlass, da sich 90 % der Spielplatzgeräte an Kinder richtet, die gerade erst krabbeln gelernt haben. Zudem sind Spielplätze entweder mit einem fröhlichen Tartanboden oder kratzigem Kunstrasen ausgelegt - so ist der Boden nicht zu hart und v.a. werden die lieben Kleinen nicht schmutzig! Sand - vom Strand! - ist schließlich der natürliche Feind der spanischen Hausfrau.

Kurioses Spielplatzverbotsschild 1: (Tübinger) Mütter, zieht eure High Heels aus!

So kann man schließen, dass für Eltern von kleinen Kindern der Spielplatz - Aufenthalt in Spanien relativ entspannt sein könnte: bei geringer Verletzungsgefahr und Orxata amb fartons oder Chocolate con churros. Andererseits ist es wohl doch auch schon bald recht langweilig für die etwas größeren Kinder, die vermutlich nichts gegen längere Rutschen, Seilbahnen und Wasserspiele einzuwenden hätten. 
Fußball gespielt wird übrigens trotz der Verbotsschilder.
Kurioses Spielplatzverbotsschild 2: Bloß nicht Fußballspielen!

Samstag, 25. März 2017

Futbol (TR) · Futbol (AZ) ·Футбол (KZ) · ფეხბურთი (GE) · ֆուտբոլ (AM)

Morgen spielt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen Aserbaidschan. Da in diesem Spiel kein Podolski, Schweinsteiger oder Lahm seinen Abschied feiert und Aserbaidschan auch nicht mehr von Berti Vogts trainiert wird, fehlt so ein bisschen die Motivation, das Spiel anzusehen. Fußballerisch wird es ziemlich wahrscheinlich so ablaufen wie die meisten Bundesliga - Spiele gegen Bayern München: elf durchschnittlich begabte Fußballer versuchen, gegen elf hochbegabte Fußballer so lange wie möglich das 0:0 zu halten und bei ca. zwei bis drei Kontern gegen Mats Hummels, Jerome Boateng und Manuel Neuer ein Tor zu erzielen.
Als Vereinsfußballfan fühlt sich das fast so an wie ein spielfreies Wochenende.
Dazu kommt der übertragende Sender: Berichte über die anderen Qualifikationsspiele, die vielleicht etwas interessanter sein und einen Hauch von EM- oder WM-Feeling aufkommen lassen könnten, werden bei RTL erst nach gefühlt 90 Minuten Werbung und Interviews mit sämtlichen deutschen Nationalspielern, dem Koch und dem Busfahrer gegen 1:30 Uhr gezeigt. Sorry, dass ich als Arbeitnehmer und Familienvater anscheinend nicht zum Zielpublikum gehöre, aber das ist mir zu spät.
Eigentlich seltsam, dass bei der allgemeinen Kommerzialisierung des Fußballs die Möglichkeiten dieser Spieltage nicht viel besser genutzt werden. Für Fußball - Interessierte, die auch so etwas wie Spannung empfinden wollen, wäre das Spiel Kasachstan gegen Armenien deutlich interessanter. Und dem Programm von RTL II und Super RTL würde es qualitativ sicher nicht viel nehmen. 
Aber auch die berühmten Printmedien könnten sich mit der wichtigsten Nebensache der Welt etwas ernsthafter beschäftigen: Schlagzeilen wie "Vier Tore von Ronaldo" sind ziemlich inhaltsleer, wenn das Spiel gegen Andorra ging.
Daher mein Plädoyer: zeigt mehr kaukasischen und zentralasiatischen Fußball!
In der UEFA sind die Länder Türkei, Aserbaidschan, Kasachstan, Georgien und Armenien organisiert.Von diesen fünf Ländern hat nur die Türkei eine gewisse Turnier-Geschichte vorzuweisen. Der größte Erfolg ist ein dritter Platz bei der WM 2002 in Japan und Südkorea. Bei der letzten EM durften sie dank der Vergrößerung des Teilnehmerfeldes mitspielen, erreichten aber außer einem Sieg gegen Tschechien nicht viel. Auf der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste (sic!) nimmt die Türkei Platz 25 ein. Es folgen Aserbaidschan auf Platz 88, Kasachstan auf Platz 90, Georgien auf Platz 122 und Armenien auf Platz 125 (Stand Oktober 2016). Aus Bundesliga-Sicht ist das ja eigentlich doch erstaunlich: Georgier gab es doch mal einige in der Liga, Armenier immerhin einen, aber Aserbaidschaner oder Kasachen - nicht dass ich wüsste!
Ich bin gespannt, wie sich Armenien mit Henrikh Mkhitaryan, dem bekannten Ersatzspieler von Manchester United, gegen die so viel besser platzierten Kasachen anstellt. Für die Tore von ֆուտբոլ ist allerdings Marcos Pineiro Pizzelli zuständig.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Linguistische Nachlese zur EM

Die EM mit ihrem zweifelhaften neuen Modus ist fast vorbei - Zeit für ein etwas anderes Fazit, nämlich ein sprachwissenschaftliches. 24 Ländern haben bekanntlich dieses Mal teilgenommen. Im Verhältnis zu den 55 Mitgliedstaaten der UEFA sind das knapp 44 Prozent.

 

Doch darum soll es hier nicht gehen, sondern um das Verhältnis von fußballerischem Erfolg und Zugehörigkeit zu einer Sprachfamilie. Die EU hat ja alleine schon 20 Amtssprachen, wobei hier Minderheitensprachen wie das Samische in Finnland, das Sorbische in Deutschland oder das Katalanische in Spanien und Frankreich noch gar nicht berücksichtigt sind. Die meisten europäischen Sprachen gehören zur indogermanischen Sprachfamilie (Ausnahmen: Ungarisch, Finnisch, Estnisch und Baskisch), aber durch die Ausdehnung der UEFA bis nach Kasachstan und Israel kommen weitere interessante Sprachfamilien wie die Turksprachen oder die semitischen Sprachen hinzu.
Komplizieret wird die Sache dadurch, dass einige der Sprachen der an der EM teilnehmenden Länder in mehreren Ländern gesprochen werden (Deutsch in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien; Englisch in England, Irland, Nordirland und Wales; Französisch in Frankreich, Belgien und der Schweiz), in manchen Ländern dafür mehrere von ihnen. Diese Länder konnten nicht eindeutig einer Sprachfamilie zugeordnet werden, deshalb habe ich zwei Mischgruppen eingeführt: eine romanisch-germanische und eine germanisch-keltische. In der Gruppenphase gab es somit folgende Verteilung:
  • Länder mit slawischen Amtssprachen 6 (Russland, Polen, Tschechien, Kroatien,
  • Länder mit germanischen Amtssprachen 5 (Deutschland, England, Österreich, Schweden, Island)
  • Länder mit romanischen Amtssprachen 5 (Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Rumänien)
  • Länder mit germanischen und keltischen Amtssprachen 3 (Irland, Schottland, Wales)
  • Länder mit germanischen und romanischen Sprachen 2 (Belgien, Schweiz)
  • Länder mit albanischer Amtssprache 1
  • Länder mit finno-ugrischer Amtssprache 1 (Ungarn)
  • Länder mit Turksprachen als Amtssprache 1 (Türkei)
Zur Erklärung: Das Albanische ist eine indogermanische Sprache ohne nähere Verwandtschaft; die Finno-ugrische Sprachfamilie wird bei der EM durch das Ungarische vertreten; zu den Turksprachen gehören neben dem sogenannten Türkeitürkischen z.B. das Usbekische, Kasachische oder Uigurische.
Interesant ist nun die weitere Entwicklung:
  • Im Achtelfinale waren nur noch drei slawische Sprachen vertreten (Polnisch, Slowakisch, Kroatisch) und im Viertelfinale nur noch eine (Polnisch = 17 %).
  • Von der Gruppe der germanischen Sprachen schafften es 3 oder 60 % ins Achtelfinale (Deutsch, Englisch und Isländisch) und 2 oder 40 % ins Viertelfinale.
  • Von den Ländern, in denen romanische Sprachen gesprochen werden, gelangte dagegen nur eines nicht ins Achtelfinale: Rumänien. Dort blieb dann mit Spanien ein weiteres auf der Strecke.
  • Von den - zugegebenermaßen - etwas künstlichen Gruppen der germanisch-keltischen und germanisch-romanischen Ländern überstanden alle die Gruppenphase. Ist Mehrsprachigkeit also förderlich für erfolgreichen Fußball? Im Viertelfinale kamen nur jeweils ein Sprachvertreter an: Wales für die germanisch-keltischen und Belgien für die germanisch-romanischen Sprachgruppen.
  • Von den weiteren Sprachfamilien gelang es nur Ungarn als Vertreter der Finno-ugrischen Sprachfamilie ins Achtelfinale vorzudringen. Die Gruppe der Turksprachen ist dort ebensowenig vertreten wie das Albanische.
Damit waren ab dem Viertelfinale die indogermanischen Sprachen unter sich.
Noch farbloser gestaltete sich sprachlich das Halbfinale: zwei romanischsprachigen Ländern (Portugiesisch und Französisch) standen ein germanischsprachiges (Deutsch) und ein germanisch-keltisch-sprachiges Land (Englisch und Walisisch) gegenüber.  Damit haben es 40 % der romanischsprachigen Länder ins Halbfinale und bekanntlich auch ins Finale geschafft (33 % der germanisch-keltischsprachigen, 20 % der germanischsprachigen).
So kann man sich noch den dümmsten Modus schöndenken: Noch interessanter wird's bei der WM mit 48 Teams...

Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sprachen_der_Welt.png#/media/File:Sprachen_der_Welt.png, Urheber: Industrius, Lizenz: This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

(Ähnliches schon vor zwei Jahren auf Twitter...)

Sonntag, 1. Mai 2016

Mein Senf zum Thema Mats H.

Zum Thema, das viele Fußballfans in der letzten Woche bewegt hat, muss auch ich mich kurz äußern:
Der Kapitän des zweitbesten Vereins in der Bundesliga möchte zum besten derselben wechseln. Warum will er das? Die möglichen Erklärungsversuche: Um Geld geht es dem als intelligent geltenden Hummels nicht; er komme aus München, wolle wieder näher zu seiner Familie; nach der Niederlage im Viertelfinale der Europa-League habe er eingesehen, dass er mit dem BVB keine Titel mehr gewinnen könne.
Seit Sandro Wagner wissen wir ja, dass Fußballspieler eigentlich nicht leistungsgerecht bezahlt werden, da sie ja ihre Jugend nicht ausleben konnten. Das gilt sicher in besonderem Maße für Spieler, die relativ regelmäßig in der Champions League und der Nationalmannschaft spielen. Da Hummels aber ja ein intelligenter Spieler ist, kann es daran nicht liegen, denn intelligente Menschen können sich auch mit 5 Millionen Jahresgehalt arrangieren. Wenn man ihnen mehr bezahlt, spenden sie den Überschuss an bedürftige Kollegen bei Darmstadt 98.
Wesentlich wahrscheinlicher ist da doch die zweite These: die Familiennähe. Wie jeder weiß, sind Fußballspieler sehr familienfreundliche Menschen - eine löbliche Ausnahme in dieser schnelllebigen Zeit! Deswegen wechseln sie meist nur innerhalb eng begrenzter Regionen den Verein, wie man beispielsweise am fast ausschließlich aus Bayern zusammengesetzten Kader des FC Bayern sieht. Dass Hummels es so lange im von München ca. 600 km entfernten Dortmund ausgehalten hat, ist direkt erstaunlich. Wie macht das eigentlich Shinji Kagawa??!
Der entscheidende Faktor ist aber das Titelsammeln. Dem einen oder anderen ist seit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 schon eine gewisse Veränderung im Wesen des Balotelli-Freunds Mats Hummels aufgefallen - nennen wir es eine Art offensive Selbstsicherheit. Da die Nationalmannschaft mit Hummels die Weltmeisterschaft gewonnen hat, scheint er von nun an davon auszugehen, dass in seinem Beisein selbst bei eigenen Fehlern eigentlich kein Spiel verloren gehen sollte. Dennoch gelingen diesem BVB keine Titel, selbst wenn es gegen Wolfsburg geht. Also muss Mats dahin, wo Titel schon nicht mal mehr gefeiert werden: nach München.

*

Gestern fand das erste Spiel des BVB seit dem Bekanntwerden des Wechselwunsches von M.H. statt und beim Betrachten der Berichterstattung glaube ich, etwas verstanden zu haben - wahrscheinlich für die meisten nichts Neues: Fußball ist für die direkt Beteiligten etwas ganz Anderes als für die Fans. Zum großen Erstaunen der TV-Reporter, des Managements, des Trainers, der Mannschaftskollegen und Matsens pfeifen ihn die Fans auf der Südtribüne aus! Was fällt ihnen denn ein, wo er sich doch so viele Jahre für sie und den Verein aufgeopfert hat. Oder besser gesagt: für den Verein gearbeitet hat. Denn darum geht es letztlich - wohl den allermeisten. Und der gemeine Fan wechselt doch auch seinen Arbeitsplatz, lässt sich von der Abteilung A in die Abteilung G versetzen und zieht auch mal um, wenn sich ein schöner Bauplatz finden lässt!
Außerdem spielen die Armen Fußball, seitdem sie laufen können. Dabei haben sie immer wieder den Verein gewechselt, haben beim SV Unlingen gespielt, dann beim FV Bad Saulgau 04, beim SSV Ulm 1846 und schließlich beim VfB Stuttgart. Sie können doch nicht ständig ihr Herz einem anderen Verein schenken, wo sie doch als Kinder schon in Bayern-München-Bettwäsche geschlafen haben! Warum haben sie das damals getan? Weil sie gewinnen wollten. Weil sie mit dem eigenen Verein eben auch manchmal verloren haben und das so gar keinen Spaß macht. Das Kind im Fußballer will gewinnen, und trotz seiner offensiven Selbstsicherheit glaubt es nicht daran, dass es selbst bei einem anderen Verein als dem rot-weißen entscheidend dazu beitragen könnte, dass dies oft genug geschieht. Ob sich die so erzielten Erfolge genauso gut anfühlen, wird er selbst beurteilen müssen.


Es gibt nie nie nie einen anderen Verein!











Sonntag, 6. September 2015

Warum ich blogge

Warum gibt es eigentlich Leute, die Blogs schreiben?
Ich glaube, fast jeder hat eine andere Motivation, das zu tun: Manche bloggen,
- weil sie meinen, der Welt etwas zu sagen zu haben,
- weil sie Spuren im Internet hinterlassen möchten,
- weil sie ein spezielles Interesse haben und davon berichten wollen,
- weil sie belehren wollen,
- weil sie der Szene der Blogger angehören oder sich über sie lustig machen wollen,
- weil sie Frauen (Männer?) beeindrucken wollen,
- weil sie die Welt verbessern wollen,
- weil sie meinen, witzig zu sein,
- weil sie über Werbematerial Geld verdienen möchten.

In meinem Fall trifft eindeutig letzteres zu, wobei es sogar so ist, dass ich exklusiv nur für zwei bestimmte Firmen blogge - und falls ihr deren Werbebanner nicht sehen könnt, solltet ihr dringend euren Adblock oder ähnliches ausschalten, denn ihr wisst ja, anders ist wertvoller Content im Netz nicht zu bekommen!

Damit meine Absicht, nur zu Werbezwecken zu bloggen, nicht so einfach deutlich wird, verpacke ich sie in kleine emotionale Geschichten, wie diese:
Damals, in der digitalen Steinzeit, als man Handys noch zum Telefonieren benutzte und Computer hauptsächlich wegen der Malprogramme, gingen auch über vierzehnjährige ohne Vereinszugehörigkeit mitunter Fußball spielen - sogar ohne Deutschland-Trikot. Einige dieser bedauernswert Unkreativen taten dies zum Beispiel auf dem Sportplatz des Gymnasiums Korntal, genannt: der Tartan, zumindest wenn er frei war und sonntags, nachdem das Gittertor überklettert und die Versuche des ehrenamtlichen Platzwarts, sie wieder hinauszuwerfen, abgewehrt worden waren. Sommers begannen sie oftmals erst in den Abendstunden und spielten dann bis zum Einbruch der Dunkelheit, denn es waren Sommerferien, die Zeit nach dem Abi oder der nächste Schultag begann mit BK.
Nach zwei bis vier Stunden eifrigen Balljonglierens - gerannt wurde nur, um den Ball vor der Auslinie zu stoppen, man spielte Benz -, hinterließen manche Teilnehmer Sitz- und Liegespuren auf dem Tartan und es gab einen gesteigerten Bedarf nach Erfrischung. Daraufhin setzten sich fast immer zwei selbstlose Spieler ins Auto, um zur nächstgelegenen Tankstelle zu fahren. Innerhalb von zehn Minuten bekam jeder der tapferen Sportler seine, und wie könnte es auch anders sein, Zwei-Liter-Packung Eistee von Pfanner, wahlweise Zitrone-Kaktusfeige oder Zitrone-Lotusblüte...

Jeden, der in seiner Jugend Ähnliches erlebt hat, wird es nun besonders beglücken, dass es, wie der Verfasser dieser Zeilen kürzlich selbst verifizieren konnte, nun auch bei Aldi Süd Pfanner-Eistee zu kaufen gibt, und zwar in einer großen Auswahl. 


PS: Der Sponsor will nicht, dass ich das schreibe, aber man muss sich als Blogger seine Unabhängigkeit bewahren: der leere Eistee-Karton brennt mit blauer Flamme, ca. 12 Minuten lang.

Und hier noch ein Link zu der Beantwortung der Frage, warum Blumentopf mit dem Rappen angefangen haben:

Sonntag, 5. Juli 2015

Klopp.

Wie vermutlich die meisten habe ich Jürgen Klopp v.a. in seiner Rolle als Experte fürs ZDF während der WM 2006 "kennen gelernt". Und er stand damals für zwei Qualitäten, die seinem Nachfolger auf besonders störende Weise abgehen: Eloquenz und taktisches Verständnis. Beides hat er auch in Dortmund gezeigt: durch die Erhebung der Pressekonferenz zu einem Unterhaltungsformat und, wichtiger noch, durch die Etablierung des Dortmunder Spielsystems inklusive wichtiger taktischer Entscheidungen wie die doppelte Absicherung gegen Robben durch Schmelzer und Großkreutz in den Spielen der beiden Meisterschaftsjahre oder das konsequente Aus-dem-Spiel-nehmen von Xabi Alonso im Halbfinale der CL-Saison 2012/13. Dazu kommt natürlich die Arbeit mit den Spielern, von denen viele (u.a. die beiden oben genannten) unter ihm ihr Leistungsniveau enorm erhöhten. Leider scheinen seine Coaching-Fähigkeiten in der letzten Saison nicht mehr ausgereicht zu haben, auch nicht im Pokalfinale, wo sich meine Hoffnung auf einen Dortmunder Sieg sich v.a. auf die zum Teil ziemlich kläglichen Auftritte des Gegners in der Europa-League stützten (z.B. ein 1:4 gegen den FC Everton, die Nr. 11 der Premier League). Die Finalform lag dann aber wohl doch näher an der vom Spiel gegen die Bayern, das auch ich natürlich gefeiert habe. Die Pokalfeier des Vfl Wolfsburg geriet dabei eher zu einer Modellpräsentation des VW-Konzerns. Wenn man bedenkt, wieso es die Stadt Wolfsburg und den dort beheimateten Verein überhaupt gibt, muss man das wahrscheinlich sogar als authentisch bezeichnen.
Klopp geht also: ist das schlimm? Ja und nein. Dass man ihn nach der Vorrunde nicht gefeuert hat, finde ich aufgrund seiner Verdienste richtig. Er hat den Verein noch auf einen Europa-League-Platz geführt, was nach dieser Hinrunde definitiv beachtlicher ist, als bei anderen Vereinen. Aber was hat zu dieser Hinrunde geführt? Die Teilnahme wichtiger Spieler an der WM, Verletzungen, nicht ausreichend integrierte Neuzugänge oder doch auch nachlassendes taktisches Geschick und sich abnutzende Motivatiosstrategien des Trainers? Immerhin vorstellbar.
Stark nachgelassen hat jedenfalls Klopps Fähigkeit - oder Lust? - das Spiel zu erklären. Vermutlich als Konsequenz seiner Erfolge und des sich daraus ergebenden Drucks wurde er immer dünnhautiger gegenüber den (zugegebenermaßen meist dämlichen) Fragen der Fußballreporter, deren Kollege er früher gewesen war. (Vielleicht spricht daraus auch die Enttäuschung, mit seiner Arbeit als Experte fürs ZDF keinen Paradigmenwechsel in der dritten Halbzeit herbeigeführt zu haben.) Diese Haltung und das immer wieder aggressive Verhalten den Schiedsrichtern gegenüber werde ich nicht vermissen; die Identifikation mit dem Verein, die taktischen Ideen und die Optimierung der Spielerleistungen dagegen schon.
Schön auch ohne Klopp: Das Westfalenstadion

Mittwoch, 15. April 2015

Fußball Programm Politik

edit: Dieser Beitrag hätte eigentlich bereits Anfang April erscheinen sollen. Die impliziten Anliegen sind aber weiterhin aktuell.

Richard Schneider, Nahost - Korrespondent der ARD, hat anlässlich des 50. Jahrestags seit der Aufnahme politischer Beziehungen zwischen der BRD und Israel einen Dokumentarfilm gedreht. Angekündigt war er für Dienstag, 23 Uhr, also eine nicht unübliche Zeit für Sendungen, die dem viel zitierten öffentlich - rechtlichen Bildungsauftrag tatsächlich entsprechen (vgl. das Auslandsjournal und Aspekte im ZDF, Druckfrisch und das blaue Sofa in der ARD). Problem dieses Sendetermins: zuvor kam Fußball, DfB-Pokal, Borussia Dortmund gegen TSG Hoffenheim. Es kam wie es kommen musste: das Spiel ging in die Vrlängerung. Immerhin, und das sage ich auch als Fan, kam es dank Sebastian Kehls Tor des Monats nicht zum Elfmeterschießen. Aber, wie das in den K.O.-Runden eben so ist: "Die nachfolgenden Sendungen verschieben sich um unbestimmte Zeit."
Das ist ärgerlich. Ärgerlich für den Autor des Beitrags, ärgerlich auch für den an den politischen Beziehungen zwischen der BRD und Israel interessierten Fernsehzuschauer, der sich schon damit abgefunden hatte, nicht vor 0 Uhr ins Bett zu kommen. Der Autor, Richard Schneider, beschwerte sich jedenfalls am nächsten Tag in einem auf Facebook geteilten Tweet über die Fußball - bedingte Verzögerung. Es soll keiner denken, ich wollte mich über ihn lustig machen, nur weil ich zu den Leuten gehöre, die davon profitieren, dass der Rundfunkbeitrag zu einem beträchtlichen Teil für den Erwerb von Fußballrechten verwendet wird. Der Beitrag von Richard Schneider hätte mich schon deshalb interessiert, weil er mir erstmals in einem anderthalb Stunden langen, gemeinsam mit seinem etwas prominenteren Kollegen Jörg Armbruster gestalteten und sehr empfehlenswerten Film zur Lage der Palästinenser als kritischer Journalist aufgefallen ist. Der Film lief damals immerhin um 22:45 Uhr.
Leider hat Schneider ein paar Tage nach der auf 0 Uhr verschobenen Sendung auch geklagt, es sei erstaunlich, wie viele Journalisten sich zur israelischen Politik äußerten, ohne je im Land gewesen zu sein. Es ging um die Haltung Netanjahus zum Atom-Kompromiss mit Iran und er bezog sich anscheinend auf einen Artikel von Jakob Augstein. Ich frage mich nur, wie sich die Beurteilung dieser Haltung ändern soll, wenn man sich in Israel aufhält. Letztlich geht es doch darum, ob ein Land (Iran) in der internationalen Isolation verharren soll, oder ob man eben durch diplomatische Bemühungen versucht, dass Energiepolitik nicht in Rüstungspolitik umschwenkt. Ob einem die Ängste rechtsgerichteter israelischer Politiker zwangsläufig verständlich werden, wenn man im Land lebt, bzw. nicht kommentiert werden dürfen, wenn man nicht im entsprechenden Land lebt, erscheint mir doch fragwürdig und für die Zunft der politischen Journalisten problematisch. .
Zurück zu kurzfristigen TV-Programmänderungen: Zu Ehren von Günter Grass wurden am Montag eine weitere wertvolle Dokumentation (Reise-Check Rügen vs. Sylt) und die Talkshow Hart aber fair (Thema Schule, nachgeholt am 04.05.15) durch den 1975 gedrehten Schöndorff-Film "Die Blechtrommel" ersetzt. Was wäre eigentlich passiert, wenn an diesem Montag in der ARD Fußball gekommen wäre, sagen wir mal 1860 München - Holstein Kiel?
Vielleicht sollte Herr Schneider einmal einen Dokumentarfilm über Fußball in Israel drehen. Er käme sicher um 20:15 Uhr.
(Schneider ist übrigens Bayern-Fan.)