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Mittwoch, 4. Oktober 2017

Raser Idylle

Kennt ihr diese Rennradfahrer? Komplett in klatschenge und grellbunte Radlerkleidung gewandet rasen sie auch noch durch die schönste Landschaft tief über den Lenker gebeugt. Ich muss zugeben: ein bisschen verachte ich das, weil gerade das, was ich als das Schöne am Fahrradfahren ansehe, die Landschaft, die kleinen Entdeckungen und Begegnungen und die frische Luft, auf diese Weise nur unzureichend genossen werden kann. Wenn ein solcher Sportradler sich zwischen einem gut asphaltierten Weg, der aber direkt neben der Bundesstraße verläuft, und einem Feldweg abseits davon entscheiden muss, wählt er ersteren.
Andererseits ist das Radfahren vermutlich nur auf diese Weise tatsächlich ein Sport, der das erfüllt, was sich die überwiegende vom Sport erwartet: eine Möglichkeit, fit zu werden, abzunehmen, dynamisch zu wirken. Und ich muss auch zugeben, dass ich mich zumindest nicht ganz von der Freude an der messbaren Geschwindigkeit und zurückgelegten Strecke freisprechen kann - sonst hätte ich wohl keinen Tachometer an meinem bescheidenen Tourenrad.


Vor kurzem habe ich nun zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder eine Fahrradtour gemacht. Da ich nur eine Stunde Zeit für die erdachte Runde durchs Neckartal zwischen Tübingen und Rottenburg hatte, musste ich dieses Mal doch etwas mehr Gas geben.
Wahrscheinlich sind auch die meisten dieser Radrennfahrer gestresste Kleinkind-Väter wie ich, die sich mühsam eine kleine Auszeit vom Feierabend (Duplo-Spielen, Vorlesen, Wäsche aufhängen, Spülmaschine ausräumen, Wickeln...) erkämpft haben und nun versuchen, die ihnen gewährte Freizeit so sinnvoll wie möglich anzuwenden. Bliebe nur noch, die modischen Geschmacksverirrungen zu erklären - aber wer wollte das bei Kleinkind-Eltern ernsthaft versuchen?!!?
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Bei dieser Gelegenheit füge ich auch ein paar Fotos aus meiner bevorzugten Radfahrgegend an, dem Neckartal und dem Ammertal, aus aktiveren Fahrrad- aber prä-Blog-Zeiten.

Tübingen - Unterjesingen, Barbarakirche
Wurmlinger Kapelle

Tübingen - Unterjesingen, Schloss Roseck


Tübingen - Weilheim, Nikomedeskirche

Tübingen - Lustnau

Ammerhof

Wurmlinger Kapelle

Wurmlinger Kapelle

Pfäffingen, Michaelskirche

Oberndorf, St. Ursula

Sonntag, 11. Oktober 2015

Carmen birotarii


Oh unbedarfter Spaziergänger,
der du durch öffentliche Grünanlagen wandelst,
sieh nicht auf den Weg, schau in den Himmel,
stets eingedenk des großen Heroen Hans-guck-in-die-Luft,
von dessen Ruhm die Gebrüder künden.

Lass schweifen den Blick,
nach vorn, zu den Seiten, nach oben - nicht rückwärts,
von wo, ungeduldig, verhärmt, mit knirschenden Zähnen
der tölpelhafte Feind aller Ruhe heranrast: Radfahrer.

Hundebesitzer, du wahrer Menschenfreund,
beglückst deine Brüder und Schwestern mit Gerüchen und -räuschen,
lass von der Leine den Liebling im Park,
auf dass er hin und her streune, unvorhersehbare Bewegung, selbst für ihn selbst.
Je kleiner das Wesen, desto drolliger,
springt es über den Weg, nicht fürchtend andre zu stören.

Sei sorglos, Hundebesitzer, fürchte nicht den Feind, er kann warten,
Geduld soll er lernen, nicht klingeln und fluchen,
kann auch einmal halten, statt stets auf den lauschigen Wegen zu rasen;
wenn auch aus unverständlichen Gründen erlaubt,
so doch geächtet von dir, radloser Zweibeiner:
erziehen wirst du zur Ruh' schließlich ihn!

Montag, 24. August 2015

Tour de Souabe

Ein lang gehegter Plan konnte - leider als Folge unglücklicher Umstände - endlich verwirklicht werden: mit dem Fahrrad von Tübingen nach Stuttgart zu fahren! Nach einem kurzen Check der Optionen auf Google Maps fürs Fahrrad (Beta-Version schon seit Ewigkeiten) entschied ich mich gegen all jene und für die deutlich längere aber steigungsärmere Strecke über den Neckartalweg. Der Abschnitt bis Kirchentellinsfurt war früher einmal so etwas wie meine Hausstrecke, bis Pliezhausen war ich auch schon mehrmals gekommen, einmal sogar bis Reutlingen-Mittelstadt, aber ab dort begann gewissermaßen Neuland... Schon während der Fahrt hatte ich mir überlegt, dass es lustig wäre, jede halbe Stunde ein Foto zu machen - einerseits, um mich immer wieder zu kleinen Pausen zu zwingen, was nach der langen Zeit ohne größere Touren auch kein Fehler war, andererseits, um so die sich verändernde Landschaft zu dokumentieren. Meistens ist also das Fotomotiv nicht unbedingt das vielleicht bestmögliche, sondern das Ergebnis eines Kompromisses aus der Uhrzeit, einem schönen Platz und einem passenden Ausblick.
Fazit: Auch wenn an mir vermutlich kein Radsportler verlorengegangen ist, habe ich die knapp 85 km lange Strecke bei Tageslicht gemeistert und habe dabei 5 Stadt- bzw. Landkreise befahren (TÜ, RT, ES, S, LB)! Der Neckartal-Radweg ist hervorragend ausgeschildert und nach meiner Meinung am schönsten zwischen Pliezhausen und Wernau. Das Seehaus am Aileswasensee, wo ich die einzige längere Pause gemacht habe, kann ich nur empfehlen!

11:04 Richtung Kirchentellinsfurt
11:39 Kurz vor Reutlingen-Mittelstadt

12:18 Neckartailfingen, Seehaus am Aileswasensee


12:58 Nürtingen
 
13:38 Wernau
14:12 Esslingen
14:12 Esslingen
14:41 Obertürkheim
15:08 Bad Cannstatt
15:34 Stuttgart, Schloss Rosenstein
15:52 Stuttgart Pragsattel