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Montag, 20. April 2015

Montag, 2. März 2015

Steinbrücke

Wenn ich das recht verstehe, ist Adana also deutlich älter, als alle deutschen und wahrscheinlch auch die meisten anderen mittel- und westeuropäischen Städte: In Deutschland gelten von den Römern gegründete Städte wie Trier als die ältesten. Aber Rom selbst ist ja im Vergleich zu mesopotamischen, phönizischen oder griechischen Städten verhältnismäßig jung - wir erinnern uns: 753 - Rom springt aus dem Ei.
Was gilt dann eigentlich als älteste Stadt der Welt, die noch bewohnt wird? Die ältesten Zivilisationen kennt man ja aus Ägypten und dem sogenannten Fruchtbaren Halbmond, der von Südostanatolien und Palästina über das Zweistromland, also Mesopotamien reicht. Da Städte wie Sumer und Babylon nicht mehr existieren, wären mir als erste Kandidaten Kairo, Athen und Jerusalem eingefallen. Der Wikipedia Liste historischer Stadtgründungen zufolge scheint sich Jericho als älteste Stadt der Welt zu vermarkten. Eine der ältesten Städte, im Fruchtbaren Halbmond gelegen, wird übrigens demnächst nicht mehr viel Historisches enthalten: Aleppo.

Das Reich der Hethiter, übrigens zur Regierungszeit des Großkönigs mit dem schönen Namen Suppiluliuma II., zerbrach vermutlich unter dem Ansturm der mysteriösen sogenannten Seevölker. "Das gesamte Staatensystem der vorderasiatischen Welt stand vor dem Umbruch, für den auch der nach ägyptischen Quellen sogenannte Seevölkersturm mitverantwortlich war. In einem Brief, den der König von Alasija, d.h. von Zypern, an den König von Ugarit geschrieben hat, wird vor den Schiffen gewarnt, die den gesamten östlichen Mittelmeerraum in Unruhe versetzten. Ein hethitischer Text berichtet gar von einer Seeschlacht bei Alasija. Wer diese Seevölker - eine mehr oder weniger lockere Sammlung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen, die um 1200 herum eine Art Völkerwanderung auslösten - eigentlich waren, ist bis heute nicht völlig geklärt, insbesondere ist fraglich, was die Ursache für diese Wanderbewegung eigentlich gewesen sein könnte." (Klinger, S. 117). Eigentlich ist es ja auch relativ egal, was der Grund war - spannend ist doch, dass es solch wichtige Ereignisse gegeben hat, von denen immer noch fast nichts bekannt ist.
Von diesen Ereignissen dürften auch die Luwier in Kizzuwatna betroffen gewesen sein. Später wurde die Gegend, die bei den Römern die Provinz Cilicia (griechisch Κιλικία) bildete und heute Çukorova heißt, Teil des Perserreiches. Nach Alexanders Siegen gegen Dareios wurde es ins makedonische Reich eingegliedert, danach ins Diadochenreich des Seleukos. In dieser Zeit trug Adana - wie viele andere Städte im Seleukidenreich auch - den Namen Antiochia, nach Antiochos IV., einem Seleukidenherrscher im 2. Jh. v. Chr. Die berühmteste Stadt dieses Namens ist das heutige Antakya. Es liegt nur etwa 190 km entfernt von Adana am Fluss Orontes, heute Nahr al-Asi.
Mit der Schaffung von Provinzen im Osten tat Rom sich lange Zeit schwer. Durch die Schwäche des Seleukidenreiches und verschiedene Koalitionswechsel mit und gegen Rom blieb den Römern aber schließlich nichts anderes übrig. Cilicia bildete erst als Vasallenstaat eine Pufferzone zum Reich der Parther hin und wurde dann um ca. 70 v. Chr. römische Provinz: "Imperien enden meist nicht, wie moderne Natinalstaaten, an einer klar definierten Grenzlinie; sie laufen eher an ihrer Peripherie in einen breiten Grenzsaum aus, in dem die vom Zentrum ausgehende Macht und der von ihm ausstrahlende kulturelle Einfluss mit zunehmender Entfernung allmählich abnehmen." (Sommer, S. 51f.)

Den Römern verdankt Adana letztlich, trotz weit älterer Geschichte, sein ältestes Bauwerk, die Taşköprü (Taş = Stein, köprü = Brücke). Sie soll die älteste noch benützte Brücke der Welt sein.

By MUSTAFA TOR (tr:Resim:Taşköprü'nün Panoramik Fotoğrafı.jpg) [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons


















Quellen:
Jörg Klinger, Die Hethiter, München 2007.
Michael Sommer, Der römische Orient. Zwischen Mittelmeer und Tigris, Darmstadt 2006.

Sonntag, 15. Februar 2015

Adanija

Aus Anlass meiner geplanten Reise nach Adana habe ich mich gefragt: was ist das eigentlich für eine Stadt und in was für einer Gegend liegt sie? In einer kleinen Serie werde ich versuchen, ein paar Infos darüber zusammenzutragen.
Adana ist heute die fünftgrößte Stadt der Türkei. Versucht man, sich über die Stadt zu informieren, stößt man schnell auf die Information, der hethitische Name der Stadt sei Adanija. D.h., es handelt sich um eine Gegend, die schon seit sehr langer Zeit besiedelt ist. Kein Wunder: der vordere Orient ist schließlich auch die Heimat der bekannteren uralten Zivilisationen der Sumerer, Akkader und Babylonier.
Als Sprachwissenschaftler - wenn auch mit Spezialisierung auf wesentlich jüngere alte Sprachstufen, fällt mir bei den Hethitern v.a. ihre Sprache ein. Denn das Hethitische ist die älteste indogermanische Sprache, in der Schriftzeugnisse überliefert sind. Es ist also z.B. mit dem Deutschen, Italienischen und Russischen verwandt. Interessant ist das auch, wenn man bedenkt, dass die heutige Hauptsprache Anatoliens, also das Türkische, nicht zu den indogermanischen Sprachen gehört. Solche sind aber die Minderheitensprachen Kurdisch, Zazaisch und Armenisch. Leider gibt es, soweit ich weiß, keine Hinweise darauf, dass diese Sprachen auf das Hethitische zurückgehen: Das wäre mal eine schöne These. Es ist eben doch über die Jahrtausende viel in Bewegung gewesen: Die Indogermanen sollen aus Südrussland gekommen sein, die Turkvölker aus der nördlichen Mongolei.
Wenn man sich aber ein bisschen über die Hethier und das Hethitische informiert, stellt man fest, dass um Adana ein Königreich mit dem schönen Namen Kizzuwatna lag und dass im Süden Anatoliens das Luwische verbreitet war.
Kizzuwatna lag im Südosten Anatoliens, zwischen dem hethitischen Großkönigtum in Zentralanatolien und dem hurritischen Reich Mittani im heutigen Nordsyrien, und war politisch wohl zeitweise mehr von der einen, dann von der anderen Großmacht abhängig.
Das Luwische ist mit dem Hethitischen verhältnismäßig nahverwandte Sprache und ist vom 16. Jahrhundert bis zum 7. Jahrhundert v. Chr. überliefert. Während das Hethitische aber die in Mesopotamien entwickelte Keilschrift verwendete, wurde das Luwische sowohl in Keilschrift als auch in Hieroglyphenschrift ('Bildluwisch') geschrieben. Und nur 120 km von Adana entfernt, in Karatepe-Arslantaş, wurde der wichtigste Fund der Luwistik (?) gemacht: eine Inschrift mit luwischem und phönizischem Text, die sogenannte Bilingue von Karatepe (8. Jh. v. Chr.), mit deren Hilfe das Luwische entziffert werden konnte. Darin ist auch von Adana die Rede:

"a+wa am-inza haliy-anza Adana+wann-inzi irh-inzi ladara-ha zina ipam-i tawiyan zin+pa+wa isatam-i tawiyan" = "In meinen Tagen erweiterte ich das adanische Gebiet einerseits gegen Westen, aber andererseits auch gegen Osten."

By Klaus-Peter Simon (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Worauf ich sonst noch gestoßen bin: Das hethitische Reich mit seinem Zentrum in Hattusa (heute Boğazkale, 200 km östlich von Ankara) erstreckte sich über ganz Anatolien. Das homerische Troja war im 13. Jahrhundert v. Chr. ein Vasallenstaat des Hethiterreiches, deshalb interessiert sich auch die umfangreiche Troja-Forschung für die Hethiter. Der etwas seltsame Gelehrte Raoul Schrott vertrat in seinem 2008 erschienenen Buch Homers Heimat. Der Kampf um Troia und seine realen Hintergründe allerdings die These, Troja sei mit der Festung Karatepe-Arslantaş (!) gleichzusetzen und der Kampf um Troja habe folglich in Südostanatolien stattgefunden. Aber auch im Troja Schliemanns (Provinz Çanakkale) wurde ein luwisches Schriftdenkmal gefunden: es stammt aus der Zeit um 1130 v. Chr.

Quellen:
Religionsgeschichtliches Textbuch zum Alten Testament, hg. von Walter Beyerlin, 2. Aufl. Göttingen 1985.
Jörg Klinger, Die Hethiter, München 2007.
Harald Haarmann, Die Indoeuropäer. Herkunft, Sprachen, Kultur, München 2010.