Die Universität von Adana ist eine der größten der Türkei: Der Campus beginnt nach einem großen Eingangstor mit einer breiten Straße, von der links und rechts Straßen zu den Wohnheimen der türkischen StudentInnen abgehen. Sie sind nach Geschlechtern getrennt untergebracht und angeblich gibt es eine Sperrstunde um 22 Uhr. Wir wohnen mit anderen ausländischen Studierenden auf dem 'inneren Campus': auf dem Weg dorthin, vielleicht 2-3 km nach dem ersten Tor, muss man einen beschrankten Durchgang passieren, an dem alle ankommenden Kfz kontrolliert werden. Innerhalb dieses immer noch ziemlich großen Bereiches dürfen die Busse kostenlos benutzt werden.
Unser Wohnheim, das 'dreinummerige Gästehaus', liegt etwa 10 Gehminuten vom Seminar für ausländische Sprachen (TÖMER) entfernt, was praktisch ist, weil der Kurs um 8 Uhr morgens beginnt! Da ich zu der kleinen Gruppe gehöre, die im Wohnheim zum Preis von 5 Lira (ca. 1,70 Euro) ein Frühstück bekommt, geht mein Tag wirklich früh los.
Mit meinem Zimmer hatte ich nicht so viel Glück: innerhalb der Inventur beim Einzug wurde festgestellt, dass die meisten aufgeführten Gegenstände, wie Stühle, Hocker oder Töpfe fehlen, was aber nicht zur Folge hatte, dass auch nur einer dieser Gegenstände ergänzt worden wäre. Was bei der Inventur nicht vermerkt wurde, sind die fehlenden Griffe an der Schiebetür zum Badezimmer (innen und außen), die defekte Toilettenspülung (entweder funktioniert sie nicht oder es bildet sich dauerhaft eine Pfütze auf dem Boden) und der Schimmel unter dem Schreibtisch. Immerhin hat man in meinem Zimmer einen relativ guten Zugriff aufs WLAN und die Schnakenplage haben wir mit Hilfe einer Insektizid - Schleuder auch in den Griff bekommen.
Um ein positives Fazit zu ziehen: nach diesen zwei Wochen bin ich reif fürs Wacken!
Freitag, 27. März 2015
Çukurova Üniversitesi
Sonntag, 15. März 2015
Die Reise
Die Reise begann schon mal gut: neben mir auf dem ersten Flug saßen zwei Inder, die augenscheinlich den Flug vor allem deshalb angetreten hatten, um möglichst viele Tuborg-Dosen abzustauben. Der eine der beiden versuchte außerdem vergeblich, eine zweite Portion seines Hindu-Spezialmenüs zu ordern. Sonst waren sie friedlich und schauten sich einen Film an - was ich auch getan hätte, wenn ich gleich bemerkt hätte, dass Richard Linklaters 'Boyhood' zur Verfügung stand. Bei 2:41 h Filmlänge und nur 2:55 h Flugdauer ist das aber auch ein ambitioniertes Unterfangen. Ich verstehe nicht ganz, warum auf einem so relativ kurzen Flug keine Serien zum Gucken angeboten werden.
Der zweite Flug begann noch lustiger: Nachdem eine unglaublich schlecht gelaunt guckende Türkin den armen in meiner Sitzreihe am Gang sitzenden Ami (T-shirt-Aufschrift "Texas Proud") mit einem Redeschwall dazu bewegen wollte, auf den Mittelplatz zu rutschen, fragte auch mich kurz darauf der Steward sehr höflich, ob ich mir nicht vorstellen könne, meinen Fensterplatz zu räumen. Nein, konnte ich nicht. Für die nette Dame hätte das ja schließlich auch keine Komfort-Auswirkungen gehabt. Und, wie der Ami mir daraufhin zuraunte: "That's why we check in earlier." Right.
Sonntag, 15. Februar 2015
Adanija
Adana ist heute die fünftgrößte Stadt der Türkei. Versucht man, sich über die Stadt zu informieren, stößt man schnell auf die Information, der hethitische Name der Stadt sei Adanija. D.h., es handelt sich um eine Gegend, die schon seit sehr langer Zeit besiedelt ist. Kein Wunder: der vordere Orient ist schließlich auch die Heimat der bekannteren uralten Zivilisationen der Sumerer, Akkader und Babylonier.
Als Sprachwissenschaftler - wenn auch mit Spezialisierung auf wesentlich jüngere alte Sprachstufen, fällt mir bei den Hethitern v.a. ihre Sprache ein. Denn das Hethitische ist die älteste indogermanische Sprache, in der Schriftzeugnisse überliefert sind. Es ist also z.B. mit dem Deutschen, Italienischen und Russischen verwandt. Interessant ist das auch, wenn man bedenkt, dass die heutige Hauptsprache Anatoliens, also das Türkische, nicht zu den indogermanischen Sprachen gehört. Solche sind aber die Minderheitensprachen Kurdisch, Zazaisch und Armenisch. Leider gibt es, soweit ich weiß, keine Hinweise darauf, dass diese Sprachen auf das Hethitische zurückgehen: Das wäre mal eine schöne These. Es ist eben doch über die Jahrtausende viel in Bewegung gewesen: Die Indogermanen sollen aus Südrussland gekommen sein, die Turkvölker aus der nördlichen Mongolei.
Wenn man sich aber ein bisschen über die Hethier und das Hethitische informiert, stellt man fest, dass um Adana ein Königreich mit dem schönen Namen Kizzuwatna lag und dass im Süden Anatoliens das Luwische verbreitet war.
Das Luwische ist mit dem Hethitischen verhältnismäßig nahverwandte Sprache und ist vom 16. Jahrhundert bis zum 7. Jahrhundert v. Chr. überliefert. Während das Hethitische aber die in Mesopotamien entwickelte Keilschrift verwendete, wurde das Luwische sowohl in Keilschrift als auch in Hieroglyphenschrift ('Bildluwisch') geschrieben. Und nur 120 km von Adana entfernt, in Karatepe-Arslantaş, wurde der wichtigste Fund der Luwistik (?) gemacht: eine Inschrift mit luwischem und phönizischem Text, die sogenannte Bilingue von Karatepe (8. Jh. v. Chr.), mit deren Hilfe das Luwische entziffert werden konnte. Darin ist auch von Adana die Rede:
| "a+wa am-inza haliy-anza Adana+wann-inzi irh-inzi ladara-ha zina ipam-i tawiyan zin+pa+wa isatam-i tawiyan" = "In meinen Tagen erweiterte ich das adanische Gebiet einerseits gegen Westen, aber andererseits auch gegen Osten." |
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| By Klaus-Peter Simon (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons |
Religionsgeschichtliches Textbuch zum Alten Testament, hg. von Walter Beyerlin, 2. Aufl. Göttingen 1985.
