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Montag, 11. September 2017

Aufstellung

Ich weiß, den meisten, die meinen Blog lesen, ist das ziemlich egal, aber erstaunlich viele Menschen beschäftigen sich gerade mit der Frage, wie der neue Trainer von Borussia Dortmund, Peter Bosz, mit dem viel zu großen Kader umgehen soll. Mich beschäftigt eigentlich weniger diese Frage als vielmehr der Zweifel, ob das wirklich ein so drängendes Problem oder nicht vielmehr ein Versuch ist, Schlagzeilen und Klickzahlen zu generieren. Ich habe mir daher mal die Mühe gemacht, den aktuellen Kader des BVB unter die Lupe zu nehmen und nach vier Kategorien zu unterteilen: einsatzfähig (nicht markiert), Nachwuchsspieler, aussortiert und verletzt (alle kursiv). Mit der Kategorie "aussortiert" bezeichne ich die Spieler, die in der letzten Transferperiode hätten wechseln dürfen, wenn es ein Angebot gegeben hätte. Es versteht sich von selbst, dass ich nicht bei allen Spielern mit dieser Einschätzung einverstanden bin. Mit der Etikettierung als "Nachwuchsspieler" ist gemeint, dass es sich hierbei um Spieler handelt, die aufgrund ihrer geringen Erfahrung keine Ansprüche auf einen Platz in der ersten Elf haben.
Das Ergebnis der Einteilung ist wenig überraschend: für den 18-Kader muss Bosz keinen einzigen arrivierten Spieler auf die Tribüne verbannen: nimm das, Sport Bild!
Torhüter:
1. Bürki, Roman (38)
   Reimann, Dominik (35) - Nachwuchsspieler 
3. Weidenfeller, Roman (1) 
Abwehr:
4. Bartra, Marc (5)
   Durm, Erik (37) - verletzt
   Guerreiro, Raphael (13) - verletzt  
   Park, Joo-Ho (3) - aussortiert  
5. Piszczek, Lukasz (26)
   Schmelzer, Marcel (29) - verletzt
6. Sokratis (25)
   Subotic, Neven (4) - aussortiert  
7. Toljan, Jeremy (15)
8. Toprak, Ömer (36)
   Zagadou, Dan-Axel (2) - Nachwuchsspieler
Mittelfeld:
9. Castro, Gonzalo (27)
10. Dahoud, Mahmoud (19)
11. Götze, Mario (10)
12. Kagawa, Shinji (23)
   Larsen, Jacob Bruun (34) - Nachwuchsspieler 
13. Pulisic, Christian (22)
   Reus, Marco (11) - verletzt
   Rode, Sebastian (18) - verletzt
14. Sahin, Nuri (8)
   Sancho, Jadon (7) - Nachwuchsspieler
15. Weigl, Julian (33)
Sturm:
16. Aubameyang, Pierre-Emerick (17)
   Isak, Alexander (14) - Nachwuchsspieler
17. Philipp, Maximilian (20)
   Schürrle, André (21) - verletzt
18. Yarmolenko, Andrey (9)
q. e. d.

Sonntag, 1. Mai 2016

Mein Senf zum Thema Mats H.

Zum Thema, das viele Fußballfans in der letzten Woche bewegt hat, muss auch ich mich kurz äußern:
Der Kapitän des zweitbesten Vereins in der Bundesliga möchte zum besten derselben wechseln. Warum will er das? Die möglichen Erklärungsversuche: Um Geld geht es dem als intelligent geltenden Hummels nicht; er komme aus München, wolle wieder näher zu seiner Familie; nach der Niederlage im Viertelfinale der Europa-League habe er eingesehen, dass er mit dem BVB keine Titel mehr gewinnen könne.
Seit Sandro Wagner wissen wir ja, dass Fußballspieler eigentlich nicht leistungsgerecht bezahlt werden, da sie ja ihre Jugend nicht ausleben konnten. Das gilt sicher in besonderem Maße für Spieler, die relativ regelmäßig in der Champions League und der Nationalmannschaft spielen. Da Hummels aber ja ein intelligenter Spieler ist, kann es daran nicht liegen, denn intelligente Menschen können sich auch mit 5 Millionen Jahresgehalt arrangieren. Wenn man ihnen mehr bezahlt, spenden sie den Überschuss an bedürftige Kollegen bei Darmstadt 98.
Wesentlich wahrscheinlicher ist da doch die zweite These: die Familiennähe. Wie jeder weiß, sind Fußballspieler sehr familienfreundliche Menschen - eine löbliche Ausnahme in dieser schnelllebigen Zeit! Deswegen wechseln sie meist nur innerhalb eng begrenzter Regionen den Verein, wie man beispielsweise am fast ausschließlich aus Bayern zusammengesetzten Kader des FC Bayern sieht. Dass Hummels es so lange im von München ca. 600 km entfernten Dortmund ausgehalten hat, ist direkt erstaunlich. Wie macht das eigentlich Shinji Kagawa??!
Der entscheidende Faktor ist aber das Titelsammeln. Dem einen oder anderen ist seit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 schon eine gewisse Veränderung im Wesen des Balotelli-Freunds Mats Hummels aufgefallen - nennen wir es eine Art offensive Selbstsicherheit. Da die Nationalmannschaft mit Hummels die Weltmeisterschaft gewonnen hat, scheint er von nun an davon auszugehen, dass in seinem Beisein selbst bei eigenen Fehlern eigentlich kein Spiel verloren gehen sollte. Dennoch gelingen diesem BVB keine Titel, selbst wenn es gegen Wolfsburg geht. Also muss Mats dahin, wo Titel schon nicht mal mehr gefeiert werden: nach München.

*

Gestern fand das erste Spiel des BVB seit dem Bekanntwerden des Wechselwunsches von M.H. statt und beim Betrachten der Berichterstattung glaube ich, etwas verstanden zu haben - wahrscheinlich für die meisten nichts Neues: Fußball ist für die direkt Beteiligten etwas ganz Anderes als für die Fans. Zum großen Erstaunen der TV-Reporter, des Managements, des Trainers, der Mannschaftskollegen und Matsens pfeifen ihn die Fans auf der Südtribüne aus! Was fällt ihnen denn ein, wo er sich doch so viele Jahre für sie und den Verein aufgeopfert hat. Oder besser gesagt: für den Verein gearbeitet hat. Denn darum geht es letztlich - wohl den allermeisten. Und der gemeine Fan wechselt doch auch seinen Arbeitsplatz, lässt sich von der Abteilung A in die Abteilung G versetzen und zieht auch mal um, wenn sich ein schöner Bauplatz finden lässt!
Außerdem spielen die Armen Fußball, seitdem sie laufen können. Dabei haben sie immer wieder den Verein gewechselt, haben beim SV Unlingen gespielt, dann beim FV Bad Saulgau 04, beim SSV Ulm 1846 und schließlich beim VfB Stuttgart. Sie können doch nicht ständig ihr Herz einem anderen Verein schenken, wo sie doch als Kinder schon in Bayern-München-Bettwäsche geschlafen haben! Warum haben sie das damals getan? Weil sie gewinnen wollten. Weil sie mit dem eigenen Verein eben auch manchmal verloren haben und das so gar keinen Spaß macht. Das Kind im Fußballer will gewinnen, und trotz seiner offensiven Selbstsicherheit glaubt es nicht daran, dass es selbst bei einem anderen Verein als dem rot-weißen entscheidend dazu beitragen könnte, dass dies oft genug geschieht. Ob sich die so erzielten Erfolge genauso gut anfühlen, wird er selbst beurteilen müssen.


Es gibt nie nie nie einen anderen Verein!











Sonntag, 5. Juli 2015

Klopp.

Wie vermutlich die meisten habe ich Jürgen Klopp v.a. in seiner Rolle als Experte fürs ZDF während der WM 2006 "kennen gelernt". Und er stand damals für zwei Qualitäten, die seinem Nachfolger auf besonders störende Weise abgehen: Eloquenz und taktisches Verständnis. Beides hat er auch in Dortmund gezeigt: durch die Erhebung der Pressekonferenz zu einem Unterhaltungsformat und, wichtiger noch, durch die Etablierung des Dortmunder Spielsystems inklusive wichtiger taktischer Entscheidungen wie die doppelte Absicherung gegen Robben durch Schmelzer und Großkreutz in den Spielen der beiden Meisterschaftsjahre oder das konsequente Aus-dem-Spiel-nehmen von Xabi Alonso im Halbfinale der CL-Saison 2012/13. Dazu kommt natürlich die Arbeit mit den Spielern, von denen viele (u.a. die beiden oben genannten) unter ihm ihr Leistungsniveau enorm erhöhten. Leider scheinen seine Coaching-Fähigkeiten in der letzten Saison nicht mehr ausgereicht zu haben, auch nicht im Pokalfinale, wo sich meine Hoffnung auf einen Dortmunder Sieg sich v.a. auf die zum Teil ziemlich kläglichen Auftritte des Gegners in der Europa-League stützten (z.B. ein 1:4 gegen den FC Everton, die Nr. 11 der Premier League). Die Finalform lag dann aber wohl doch näher an der vom Spiel gegen die Bayern, das auch ich natürlich gefeiert habe. Die Pokalfeier des Vfl Wolfsburg geriet dabei eher zu einer Modellpräsentation des VW-Konzerns. Wenn man bedenkt, wieso es die Stadt Wolfsburg und den dort beheimateten Verein überhaupt gibt, muss man das wahrscheinlich sogar als authentisch bezeichnen.
Klopp geht also: ist das schlimm? Ja und nein. Dass man ihn nach der Vorrunde nicht gefeuert hat, finde ich aufgrund seiner Verdienste richtig. Er hat den Verein noch auf einen Europa-League-Platz geführt, was nach dieser Hinrunde definitiv beachtlicher ist, als bei anderen Vereinen. Aber was hat zu dieser Hinrunde geführt? Die Teilnahme wichtiger Spieler an der WM, Verletzungen, nicht ausreichend integrierte Neuzugänge oder doch auch nachlassendes taktisches Geschick und sich abnutzende Motivatiosstrategien des Trainers? Immerhin vorstellbar.
Stark nachgelassen hat jedenfalls Klopps Fähigkeit - oder Lust? - das Spiel zu erklären. Vermutlich als Konsequenz seiner Erfolge und des sich daraus ergebenden Drucks wurde er immer dünnhautiger gegenüber den (zugegebenermaßen meist dämlichen) Fragen der Fußballreporter, deren Kollege er früher gewesen war. (Vielleicht spricht daraus auch die Enttäuschung, mit seiner Arbeit als Experte fürs ZDF keinen Paradigmenwechsel in der dritten Halbzeit herbeigeführt zu haben.) Diese Haltung und das immer wieder aggressive Verhalten den Schiedsrichtern gegenüber werde ich nicht vermissen; die Identifikation mit dem Verein, die taktischen Ideen und die Optimierung der Spielerleistungen dagegen schon.
Schön auch ohne Klopp: Das Westfalenstadion