Mittwoch, 17. August 2016

Wäsche - Innovationen


Über lauschige Gassen gespannte Wäscheleinen gehören zu den beliebtesten Urlaubsfotomotiven im mediterranen Raum. Um die Wäsche vom Balkon oder vom Fenster aus in die Mitte der Straße zu bewegen, wurden über die Jahrhunderte sogar komplizierte Seilzug - Konstruktionen erfunden.
In Valencia, seit elf Jahren meinem Hauptreiseziel, habe ich nach meiner Erinnerung noch keine über die Straße gespannte Wäscheleine gesehen. Dafür lernte ich in diesem Sommer eine ähnlich beeindruckende Innovation kennen: das Gebäude, in dem unsere Wohnung untergebracht ist, ist um einen ziemlich kleinen runden Innenhof herumgebaut. Jede Wohnung verfügt über einen Zugang zu diesem Hof,
Hätt' ich ein Auto, führ' ich zum Baumarkt, kauft' ich Haken und Leine, angelte ich das Wäschestück.

Sonntag, 1. Mai 2016

Mein Senf zum Thema Mats H.

Zum Thema, das viele Fußballfans in der letzten Woche bewegt hat, muss auch ich mich kurz äußern:
Der Kapitän des zweitbesten Vereins in der Bundesliga möchte zum besten derselben wechseln. Warum will er das? Die möglichen Erklärungsversuche: Um Geld geht es dem als intelligent geltenden Hummels nicht; er komme aus München, wolle wieder näher zu seiner Familie; nach der Niederlage im Viertelfinale der Europa-League habe er eingesehen, dass er mit dem BVB keine Titel mehr gewinnen könne.
Seit Sandro Wagner wissen wir ja, dass Fußballspieler eigentlich nicht leistungsgerecht bezahlt werden, da sie ja ihre Jugend nicht ausleben konnten. Das gilt sicher in besonderem Maße für Spieler, die relativ regelmäßig in der Champions League und der Nationalmannschaft spielen. Da Hummels aber ja ein intelligenter Spieler ist, kann es daran nicht liegen, denn intelligente Menschen können sich auch mit 5 Millionen Jahresgehalt arrangieren. Wenn man ihnen mehr bezahlt, spenden sie den Überschuss an bedürftige Kollegen bei Darmstadt 98.
Wesentlich wahrscheinlicher ist da doch die zweite These: die Familiennähe. Wie jeder weiß, sind Fußballspieler sehr familienfreundliche Menschen - eine löbliche Ausnahme in dieser schnelllebigen Zeit! Deswegen wechseln sie meist nur innerhalb eng begrenzter Regionen den Verein, wie man beispielsweise am fast ausschließlich aus Bayern zusammengesetzten Kader des FC Bayern sieht. Dass Hummels es so lange im von München ca. 600 km entfernten Dortmund ausgehalten hat, ist direkt erstaunlich. Wie macht das eigentlich Shinji Kagawa??!
Der entscheidende Faktor ist aber das Titelsammeln. Dem einen oder anderen ist seit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 schon eine gewisse Veränderung im Wesen des Balotelli-Freunds Mats Hummels aufgefallen - nennen wir es eine Art offensive Selbstsicherheit. Da die Nationalmannschaft mit Hummels die Weltmeisterschaft gewonnen hat, scheint er von nun an davon auszugehen, dass in seinem Beisein selbst bei eigenen Fehlern eigentlich kein Spiel verloren gehen sollte. Dennoch gelingen diesem BVB keine Titel, selbst wenn es gegen Wolfsburg geht. Also muss Mats dahin, wo Titel schon nicht mal mehr gefeiert werden: nach München.

*

Gestern fand das erste Spiel des BVB seit dem Bekanntwerden des Wechselwunsches von M.H. statt und beim Betrachten der Berichterstattung glaube ich, etwas verstanden zu haben - wahrscheinlich für die meisten nichts Neues: Fußball ist für die direkt Beteiligten etwas ganz Anderes als für die Fans. Zum großen Erstaunen der TV-Reporter, des Managements, des Trainers, der Mannschaftskollegen und Matsens pfeifen ihn die Fans auf der Südtribüne aus! Was fällt ihnen denn ein, wo er sich doch so viele Jahre für sie und den Verein aufgeopfert hat. Oder besser gesagt: für den Verein gearbeitet hat. Denn darum geht es letztlich - wohl den allermeisten. Und der gemeine Fan wechselt doch auch seinen Arbeitsplatz, lässt sich von der Abteilung A in die Abteilung G versetzen und zieht auch mal um, wenn sich ein schöner Bauplatz finden lässt!
Außerdem spielen die Armen Fußball, seitdem sie laufen können. Dabei haben sie immer wieder den Verein gewechselt, haben beim SV Unlingen gespielt, dann beim FV Bad Saulgau 04, beim SSV Ulm 1846 und schließlich beim VfB Stuttgart. Sie können doch nicht ständig ihr Herz einem anderen Verein schenken, wo sie doch als Kinder schon in Bayern-München-Bettwäsche geschlafen haben! Warum haben sie das damals getan? Weil sie gewinnen wollten. Weil sie mit dem eigenen Verein eben auch manchmal verloren haben und das so gar keinen Spaß macht. Das Kind im Fußballer will gewinnen, und trotz seiner offensiven Selbstsicherheit glaubt es nicht daran, dass es selbst bei einem anderen Verein als dem rot-weißen entscheidend dazu beitragen könnte, dass dies oft genug geschieht. Ob sich die so erzielten Erfolge genauso gut anfühlen, wird er selbst beurteilen müssen.


Es gibt nie nie nie einen anderen Verein!











Donnerstag, 7. Januar 2016

Knausgårds Titel

Die Bücher von Karl Ove Knausgård gehörten zu meinen wichtigsten Entdeckungen des zu Ende gehenden Jahres - und nicht nur zu meinen: in der ersten Ausgabe des neu belebten literarischen Quartetts wurde der zuletzt auf Deutsch erschienene fünfte Band durch Volker Weidermann, den Moderator der Sendung, in die Runde eingebracht. Dieser Band trägt in Deutschland den Titel 'Träumen' und folgt damit auf Sterben, Lieben, Spielen und Leben. (Der sechste Band ist noch nicht übersetzt.) 


Diese Art der Titelgebung wirkt auf mich in ihrer simplen Benennung grundlegender Zustandsverben zugleich kindisch wie nichtssagend, wobei sich letzterer Eindruck nach der Lektüre der Romane noch verstärkt. So geht es im ersten Band eben nicht um das Sterben des Vaters, sondern um dessen Tod und den Umgang des Erzählers mit diesem.
Im norwegischen Original trägt das sechsteilige Werk den Titel 'Min kamp' und die einzelnen Teile werden nur durchgezählt (Første bok, Andre bok...). Die genaue Übersetzung wäre also 'Mein Kampf'. Und obwohl Knausgård damit bis zum Erscheinen der wissenschaftlich kommentierten Ausgabe von Hitlers Hetzschrift im letzten Jahr eigentlich in jeder Online-Buchhandlung als erster Treffer hätte erscheinen müssen, erst recht im Bereich Belletristik, lehnte der deutsche Verleger es ab, Knausgårds Werk unter diesem Titel zu vertreiben (dazu ein interessanter Artikel im New Yorker).


Es ist ja nicht so, als könnte ich diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Die Provokation, die auch im Norwegischen deutlich wird, ist im deutschsprachigen Raum deutlich größer und schwerer zu ertragen. Und eben deshalb hat sich mir die Frage gestellt: wie gehen die Übersetzer in anderen Sprachräumen mit dem Titel-Problem um? Gibt es eine einheitliche Tendenz in den germanisch- und den romanischsprachigen Ländern?
In den meisten Sprachen wird der Titel des Gesamtwerks zumindest im Untertitel mitgeführt. Dabei ist die Formulierung jeweils die gleiche, die auch für das Hitler-Buch verwendet wird: 'My Struggle' im Englischen, 'Mon Combat' im Französischen, 'Mi lucha' im Spanischen und im Italienischen 'La mia lotta'. Nur im Niederländischen scheint dies anders zu sein, da Knausgårds Werk als 'Mijn strijd' geführt wird, während das angespielte Buch 'Mijn kamp' heißt.
Bis auf die dem Norwegischen sehr nahverwandten skandinavischen Sprachen, die den Titel direkt übernehmen, sind aber in allen Übersetzungen eigene Titel für die einzelnen Bände vergeben worden: Im Englischen lauten sie 'A Death in the Family' oder 'A Man in Love'.


Im Niederländischen wurden ähnlich wie im Deutschen jeweils aus einem Wort bestehende Titel vergeben, hier aber Substantive statt (substantivierten) Verben: Vader, Liefde, Zoon, Nacht, Schrijver und Vrouw.


Im Französischen wird der Reihentitel 'Mon Combat' nicht mitgeführt; die ersten drei Bände tragen die Titel 'La Mort d'un père', 'Un homme amoureux' und 'Jeune homme'. Im Spanischen sind die Titel genau entsprechend, so dass sich mir die Frage stellt, ob sie womöglich aus dem Französischen statt aus dem Norwegischen übersetzt worden sind: 'La muerte del padre' und 'Un hombre enamorado'. Der dritte Band ist allerdings unter dem Titel 'La isla de la infancia' angekündigt.


Bleibt noch das Italienische: Hier gibt es zwei verschiedene Ausgaben. Im Verlag Ponte alle Grazie wird nur der Reihentitel verwendet. In der neueren Feltrinelli-Ausgabe begegnen hingegen die zum Teil aus dem Englischen, Französischen und Spanischen bekannten Titel 'La morte del padre', 'Un uomo innamorato' und 'L'isola dell'infanzia'.


Zusammenfassend lässt sich sagen: es gibt drei Tendenzen. In der skandinavischen werden die Bände unter dem Reihentitel 'mein Kampf' durchgezählt, in der romanischen trägt jeder Band einen sprechenden Titel und in der deutsch-niederländischen sind diese Titel auf ein Wort beschränkt.
Meiner persönlichen Meinung nach ist die deutsche Version dabei die dämlichere, was v.a. in der Benennung des ersten Bandes (Nld. 'Vater' vs. Dt. 'Sterben') und des dritten Bandes (Nld. 'Sohn' vs. 'Spielen') deutlich wird. Vermutlich hat man sich Marketing-technisch an den Titeln skandinavischer Krimi-Bestseller-Autoren wie Jussi Adler-Olsen orientiert.

Montag, 21. Dezember 2015

Spanisches Bier

Mit dem spanischen Bier hatte ich ja eigentlich nie Probleme: dass bei der Suche nach einer geeigneten Location für unsere Hochzeit die Frage nach der Bereitschaft, deutsches Bier auszuschenken, zum Standard-Repertoire gehörte, ging mehr auf den Wunsch eines wichtigen Gastes zurück, als auf persönliche Aversionen gegenüber der spanischen Braukunst. Tatsächlich hat sich nach meiner Erinnerung niemand bei oder nach der Feier über die Hausmarke des Restaurants, ich glaube es war San Miguel, beschwert. Und auch sonst verbinde ich einige positive Assoziationen mit spanischem Bier. Da wäre zunächst einmal der Preis: in einer normalen Bar, die nicht in einer besonders touristischen Umgebung liegt, kostet ein Bier häufig weniger als 1,50 Euro. Das findet man in Deutschland außerhalb von Bremerhaven höchstens auf Studentenparties oder in Jugendhäusern. In traditionellen spanischen Bars, v.a. in Andalusien, bekommt man zu einem solch günstigen Bier auch noch ein Montadito, Nüsse, Chips, Oliven o.ä. Am besten an der spanischen Bierkultur gefällt mir aber, dass das Bier in gefrorenen Gläsern serviert wird! Und das nicht nur im Sommer: selbst jetzt im Dezember habe ich vor einigen Tagen an der Strandpromenade von Valencia (bei ca. 20°C) ein eiskaltes Cruzcampo in der Flasche serviert bekommen, mit einem Glas, das direkt aus dem Gefrierschrank zu kommen schien! Davon könnte sich das deutsche Gastwirtwesen meinetwegen gerne inspirieren lassen. Bei der selben Gelegenheit entdeckte ich aber eine Sache, bei der sich die Spanier eindeutig und zu Recht inspirieren ließen: auf dem Tisch stand ein Werbekärtchen für ein neues Biermischgetränk, bestehend aus Bier und Zitronenlimonade. Super! Endlich! Und der Name, wohlgemerkt, süddeutsch: nicht an das brackige Wasser eines unbedeutenden Flusses erinnernd, sondern: Radler!


Donnerstag, 19. November 2015

Ich kauf' Deinen Porsche!





Gibt es eigentlich ein offizielles Berufsbild für die Leute, die Flyer in Autofenster und unter Scheibenwischer klemmen? Was qualifiziert sie zu dieser Arbeit?
Gibt es Stellenausschreibungen für Gebrauchtwagenankaufsangebotsflyerverteiler?

Ich hatte solche Flyer schon oft: sie steckten an der Windschutzscheibe des 10 Jahre alten "chronisch rückwärts eingeparkten Golf mit den *** rosa Dreiecken";



ich fand sie zwischen der vor sich hin rostenden Türverkleidung und dem Seitenfenster mit der sporadisch funktionierenden Automatik des 14 Jahre alten Honda Civic;

 

sie steckten unter dem Scheibenwischer des 8 Jahre alten Peugeot 407.


Kann ich alles verstehen: da hatte sich der fleißige Flyerverteiler aufgrund seiner wertvollen Ausbildung gedacht, dem machen wir hier ein Angebot und teilen ihm mit: "Wir kaufen Ihr Auto!" - womit ja gemeint ist, dass die meisten Gebrauchtwagenhändler dazu schon nicht mehr bereit wären. D.h.: DIE würden für Deine Scheißkarre höchstens Verschrottungsgebühren verlangen, WIR dagegen, in unserer Großherzigkeit, sind dazu bereit, noch ein bisschen was herauszurücken.

Was ich aber nicht verstehe und was mich daher leider auch ein wenig an dem ganzen Berufsstand zweifeln lässt: ich hatte im Sommer für eine Woche ein Auto gemietet. Eigentlich sollte es ein Touran oder ein ähnliches Modell sein; es wurde dann aber ein SUV, und zwar ein Hyundai Santa Fe. Auf dem Tacho standen ca. 8000 km, das heißt, er war praktisch neu. Und da frage ich mich dann schon, was der gute Mann sich dabei gedacht hat, bei diesem Auto einen Flyer in den Türspalt zu stecken...



Vielleicht sollte die Branche mal über bessere Weiterbildungsangebote nachdenken...

Sonntag, 11. Oktober 2015

Carmen birotarii


Oh unbedarfter Spaziergänger,
der du durch öffentliche Grünanlagen wandelst,
sieh nicht auf den Weg, schau in den Himmel,
stets eingedenk des großen Heroen Hans-guck-in-die-Luft,
von dessen Ruhm die Gebrüder künden.

Lass schweifen den Blick,
nach vorn, zu den Seiten, nach oben - nicht rückwärts,
von wo, ungeduldig, verhärmt, mit knirschenden Zähnen
der tölpelhafte Feind aller Ruhe heranrast: Radfahrer.

Hundebesitzer, du wahrer Menschenfreund,
beglückst deine Brüder und Schwestern mit Gerüchen und -räuschen,
lass von der Leine den Liebling im Park,
auf dass er hin und her streune, unvorhersehbare Bewegung, selbst für ihn selbst.
Je kleiner das Wesen, desto drolliger,
springt es über den Weg, nicht fürchtend andre zu stören.

Sei sorglos, Hundebesitzer, fürchte nicht den Feind, er kann warten,
Geduld soll er lernen, nicht klingeln und fluchen,
kann auch einmal halten, statt stets auf den lauschigen Wegen zu rasen;
wenn auch aus unverständlichen Gründen erlaubt,
so doch geächtet von dir, radloser Zweibeiner:
erziehen wirst du zur Ruh' schließlich ihn!