Sonntag, 14. Oktober 2018
Freitag, 5. Oktober 2018
Bye, bye Junimond
Da steht's, schwarz auf weiß: Exmatrikulation! Nach 33 + 1 Semestern, fast mein halbes Leben war ich Teil der Tübinger Uni. Da erhält die Bezeichung "Alma mater" einen ganz neuen Sinn.
Ein Jahr nach meinem Wehmutsblogbeitrag nun wieder ein nostalgischer Rückblick...
33 Semester - wenn das Peter Frankenberg wüsste! Aber den Wissenschaftsminister, der in Baden-Württemberg die Langzeitstudiengebühr einführte, kennt heute keiner mehr. Dafür sind Studiengebühren für das Zweitstudium fast unbemerkt zusammen mit den Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer beschlossen worden. Zum Glück galt für mich schon Bestandsschutz.
Obwohl eingefleischter Neuphilologe habe ich am Ende doch noch vier verschiedene Fakultäten erlebt, an sechs unterschiedlichen Fachbereichen.
Über die Jahre sind 23 Hausarbeiten zusammengekommen (sieben in Germanistik, vier in Italienisch, drei in Portugiesisch, drei in Theologie, vier in Fachdidaktik, eine in Pädagogik, eine in EPG),
10 mündliche Prüfungen (eine Verteidigung, vier mündliche Magisterprüfungen, zwei mündliche Staatsexamensprüfungen, drei Vorlesungsprüfungen),
37 Referate (zehn in Germanistik, neun in Italienisch, sechs in Portugiesisch, drei in Theologie, eines in Skandinavistik, zwei in Türkisch, zwei in Französisch, vier in Fachdidaktik) und ungezählte Klausuren...
Erstmals seit April 2002 kann ich jetzt nicht mehr ohne nachzudenken in den Bus hüpfen - das erspart mir und der SWT allerdings auch manchen larmoyanten Leserbrief.
In der Mensa bekomme ich das Essen ab November nur noch zum Gästepreis, und ich fürchte, die Kinderkarte ist damit auch passé.
Die studentische Mailadresse haben sie noch nicht abgeschaltet. Vielleicht sollte ich den letzten Malen ein erstes hinzufügen und beim fMRT Experiment zum Bruchrechnen mitmachen: Vergütung 25 €, das sind vier Essen in der Mensa zum Gästepreis.
Liebe Uni Tübingen: Schön war's.
Gratiam habeo, alma mater!
Ein Jahr nach meinem Wehmutsblogbeitrag nun wieder ein nostalgischer Rückblick...
33 Semester - wenn das Peter Frankenberg wüsste! Aber den Wissenschaftsminister, der in Baden-Württemberg die Langzeitstudiengebühr einführte, kennt heute keiner mehr. Dafür sind Studiengebühren für das Zweitstudium fast unbemerkt zusammen mit den Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer beschlossen worden. Zum Glück galt für mich schon Bestandsschutz.
Obwohl eingefleischter Neuphilologe habe ich am Ende doch noch vier verschiedene Fakultäten erlebt, an sechs unterschiedlichen Fachbereichen.
Über die Jahre sind 23 Hausarbeiten zusammengekommen (sieben in Germanistik, vier in Italienisch, drei in Portugiesisch, drei in Theologie, vier in Fachdidaktik, eine in Pädagogik, eine in EPG),
10 mündliche Prüfungen (eine Verteidigung, vier mündliche Magisterprüfungen, zwei mündliche Staatsexamensprüfungen, drei Vorlesungsprüfungen),
37 Referate (zehn in Germanistik, neun in Italienisch, sechs in Portugiesisch, drei in Theologie, eines in Skandinavistik, zwei in Türkisch, zwei in Französisch, vier in Fachdidaktik) und ungezählte Klausuren...
Erstmals seit April 2002 kann ich jetzt nicht mehr ohne nachzudenken in den Bus hüpfen - das erspart mir und der SWT allerdings auch manchen larmoyanten Leserbrief.
In der Mensa bekomme ich das Essen ab November nur noch zum Gästepreis, und ich fürchte, die Kinderkarte ist damit auch passé.
Die studentische Mailadresse haben sie noch nicht abgeschaltet. Vielleicht sollte ich den letzten Malen ein erstes hinzufügen und beim fMRT Experiment zum Bruchrechnen mitmachen: Vergütung 25 €, das sind vier Essen in der Mensa zum Gästepreis.
Liebe Uni Tübingen: Schön war's.
Gratiam habeo, alma mater!
Sonntag, 2. September 2018
Schottland: 14 Tage - 14 Fotos
| Oban, Hafen |
| Inveraray Castle |
| bei Oban, Blick auf den Loch Creran |
| Blick von Kilchurn Castle auf den Loch Awe |
| Fort William |
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| Insel Kerrera, vor Oban |
| Doune Castle |
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| Lake of Menteith |
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| Falkirk, Schiffshebewerk "Falkirk Wheel" |
| Falkirk, Park "The Helix" |
| Inchmahome Priory im Lake of Menteith |
| Stirling Castle |
| Dampfschiff Sir Walter Scott im Loch Katrine |
| Balloch, Loch Lomond, Raddampfer "Maid of the Loch" |
Freitag, 25. Mai 2018
Glückliche Reise!
Als bekennender Fan von Kopfbahnhöfen und Vater eines kleinen Eisenbahnfans habe ich bei meinem letzten Valencia-Aufenthalt dem (ehemaligen) Hauptbahnhof einen Besuch abgestattet. Es handelt sich um einen meines Erachtens sehr schönen Bahnhof, der 1917 fertiggestellt wurde. Leider ist der als Estació del Nord bekannte Bahnhof nur noch theoretisch der Hauptbahnhof der Stadt, da der spanische Schnellzug AVE (Tren de alta velocidad), der die großen spanischen Städte miteinander verbindet, auf der europäischen Spurweite fährt und daher von einem eigenen Bahnhof aus verkehrt. Die üblichen Gleise in Spanien und Portugal haben eine breitere Spurweite als im restlichen Festlandeuropa: 1668 mm gegenüber 1435 mm (mehr Infos hier). Der Schnellzugbahnhof trägt den griffigen Namen Valencia Joaquin Sorolla und sieht in etwa so aus wie das einst in Tübingen geplante Bahnbetriebswerk. So weit ich das beurteilen kann, fahren von der Estació del Nord heute nur noch Regionalzüge.
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| Besonders schön sind die in der Schalterhalle angebrachten guten Wünsche in verschiedenen Sprachen. |
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| Zwei der holzverkleideten Ticketschalter waren trotz der zahlreich aufgestellten Fahrscheinautomaten geöffnet. |
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| Überall fallen die speziellen Uhren auf. Im Nebenraum sind valencianische Szenen mit bemalten Kacheln gestaltet. |
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| Ein Zug fährt ein. Neben den Gleisen: Häuser der selben Bauzeit. |
Donnerstag, 28. Dezember 2017
Gschichten aus Valencia
Während sich Eltern in metereologisch benachteiligten Breiten um kreative Lösungen bemühen muss, wie man den Nachwuchs davor bewahren kann, jetzt endgültig die väterliche CD- und Schallplattensammlung in Lego- und Bauklötze-Konstruktionen miteinzubeziehen, können die GenossInnen in südlichen Gefilden ihre lieben Kleinen ganzjährig auf den säuberlich mit Kunstrasen ausgekleideten Spielplatz geleiten und sich dortselbst eine heiße Schokolade mit Süßkram schmecken lassen. Hmmm! Denkste! Bei sanften 18 in der zweiten Dezemberhälfte kann es diesen bemitleidenswerten Leidensgenossen geschehen, dass sie am geschlossenen Tor zum größten Park der Stadt von einem lieblos mit OpenOffice Writer auf Valencianisch geschriebenen Schild rüde abgewiesen werden, auf dem steht: Park geschlossen wegen meterologischen Alarms.
Ja nun. Was bleibt einem da? Müssen sie halt ins Möbelhaus oder an den Strand, die pares valencians...
Dieser lieblosen Stadtverwaltung empfehle ich mal einen Kuraufenthalt an der Nordsee. Egal zu welcher Jahreszeit. Gschichten ausm Möbelhaus
Eltern kennt das: es sind (Weihnachts-) Ferien oder es ist Wochenende, Kita und Kindi haben geschlossen, und pünktlich schlägt das Wetter um. Kein Spielplatz, kein Wildpark, kein Stadtbummel möglich, und selbst das Babycafé hat am Wochenende geschlossen. Doch zumindest für verregnete Sams- und Ferientage hat sich in unserer kleinen Familie eine Alternative etabliert: das Möbelhaus. Damit meine ich nicht Ikea, wo man samstags der realistischen Gefahr ausgesetzt ist, zerquetscht zu werden. Ein Möbelhaus traditioneller Art dagegen hat für Familien mit kleinen Kindern große Vorteile: es ist weitläufig und bietet viel Platz zum Rennen/Krabbeln; überall ist Teppichboden verlegt; für die überwachenden (und übernächtigten) Erziehungsbeauftragten gibt es reichlich bequeme Sitzmöglichkeiten (Stressless!); in der Küchen- und der Deko-Abteilung finden sich zudem lustige und nutzlose Gegenstände, die man stundenlang betrachten kann.
Vor allem aber hat seit Ikeas Erfolg mit Hot Dog, Kötbullar & Co. nahezu jedes Möbelhaus auch ein Restaurant, in dem paniertes Schnitzel, Linsen und Spätzle oder Maultaschen mit Kartoffelsalat serviert werden. Schon bei den Pionieren ist die Taktik ziemlich durchschaubar, sind doch das Hot Dog für einen Euro oder der für Inhaber der Family Card kostenlose Kaffee eigentlich kein rationaler Grund für eine Fahrt in die Peripherie. Das Möbelhaus unseres Vertrauens aber hat diese Strategie noch übertroffen: an "Stammkunden" werden alle paar Monate Gutscheine für Snacks oder kleine Gerichte verschickt: im Sommer ein kleines gemischtes Eis, im Herbst ein Paar Weißwürste und ein Glas Bier, im Winter Kaffee und Kuchen... Nicht wenige Kunden sind so blöd, sich davon verleiten zu lassen, am Samstag einen Ausflug ins Möbelhaus zu machen. Nicht wenige davon befinden sich jenseits der Pensionsgrenze. Bei ihnen habe ich allerdings meist den Eindruck, dass sie tatsächlich nur kommen, um auf dem kostenlos zu parken, das Gutschein-Essen missmutig in sich hineinzumampfen ohne mit dem Ehepartner ein Wort zu wechseln und dabei böse die Familien zu beäugen, die es wagen, ihre Kinder ohne Leine durch die Tischreihen rennen zu lassen.
Noch blöder wird man nur angeguckt, wenn man nicht das Gutschein-Essen vor sich auf dem Tisch stehen hat: Es fühlt sich ein bisschen so an, wie das Eintreten in einen Saloon im Wilden Westen oder in eine Bar im spanischen Inland.
Vor allem aber hat seit Ikeas Erfolg mit Hot Dog, Kötbullar & Co. nahezu jedes Möbelhaus auch ein Restaurant, in dem paniertes Schnitzel, Linsen und Spätzle oder Maultaschen mit Kartoffelsalat serviert werden. Schon bei den Pionieren ist die Taktik ziemlich durchschaubar, sind doch das Hot Dog für einen Euro oder der für Inhaber der Family Card kostenlose Kaffee eigentlich kein rationaler Grund für eine Fahrt in die Peripherie. Das Möbelhaus unseres Vertrauens aber hat diese Strategie noch übertroffen: an "Stammkunden" werden alle paar Monate Gutscheine für Snacks oder kleine Gerichte verschickt: im Sommer ein kleines gemischtes Eis, im Herbst ein Paar Weißwürste und ein Glas Bier, im Winter Kaffee und Kuchen... Nicht wenige Kunden sind so blöd, sich davon verleiten zu lassen, am Samstag einen Ausflug ins Möbelhaus zu machen. Nicht wenige davon befinden sich jenseits der Pensionsgrenze. Bei ihnen habe ich allerdings meist den Eindruck, dass sie tatsächlich nur kommen, um auf dem kostenlos zu parken, das Gutschein-Essen missmutig in sich hineinzumampfen ohne mit dem Ehepartner ein Wort zu wechseln und dabei böse die Familien zu beäugen, die es wagen, ihre Kinder ohne Leine durch die Tischreihen rennen zu lassen.
Noch blöder wird man nur angeguckt, wenn man nicht das Gutschein-Essen vor sich auf dem Tisch stehen hat: Es fühlt sich ein bisschen so an, wie das Eintreten in einen Saloon im Wilden Westen oder in eine Bar im spanischen Inland.
Ich könnte jetzt behaupten, wir hätten uns weder für die Käse-Wurst-Platte und ein Glas Rotwein, noch für deren Kostenlosigkeit interessiert. Diese mediterran wirken wollende Pseudo-Delikatesse, 5 Käse- und 6
Salamistückchen, dazu ein Plastikbecher Wein... Die traurige Wahrheit ist aber, wir hatten den Gutschein vor lauter Windeln, Wechselkleidern, Wasserflaschen, Spielsachen, Buggy und Kinderwagen zu Hause vergessen. Und das, wo wir diesen bedeutsamen Ausflug schon Tage vorher geplant, den Ablauf des Wochenendes darauf abgestimmt und uns einen Vorwand dafür ausgedacht hatten (Rührschüssel!), warum wir denn überhaupt wieder mal den Weg zum Möbelhaus hätten nehmen sollen - abgesehen vom Gutschein-Essen! Aber kaum hatten wir die Bundesstraße erreicht, fiel uns ein: der Gutschein hängt noch an der heimischen Pinnwand.
Nun ja. Bei Schnitzel mit Pommes Frittes für 5,90 Euro kann man den vergessenen Gutschein auch schon mal verschmerzen. Aber die Rentnergangs haben uns mit einer sozialwissenschaftlich interessanten Mischung aus Schadenfreude und Neid hinterhergesehen. Eines steht aber fest: selbst ohne Gutschein und trotz des Erwerbs eines neuen Küchenutensils (Kitchen Craft?!) ist der Besuch eines Möbelhauses günstiger als der eines Indoor-Spielplatzes.
Dienstag, 21. November 2017
Fachbücher und Küchenkram
Tübingen - Universitätsstadt. Die Universitätsbuchhandlung: seit 1596 Osiander, der Platzhirsch. Das zentrale Geschäft, die Hauptniederlassung, befand sich seit Jahren in der Wilhelmstraße, auf der sich zahlreiche Fakultäten und Seminare aneinanderreihen: von der juristischen Fakultät bis zum Seminar für Sinologie und Koreanistik. Überdies befand sich selbiges Hauptgeschäft nur wenige Meter vor der zentralen Bushaltestelle Wilhelmstraße, an der durch den nur in einer Richtung befahrbaren Innenstadt-Ring alle Busse halten müssen.
Die Buchhandlung Osiander kennt eigentlich nur eine Richtung: nach vorn. Seit Jahren expandiert sie im gesamten süd(west)deutschen Raum, übernimmt in diesem Jahr sogar Filialen in Bamberg und Fürth. In Tübingen wurde vor einiger Zeit auch die ehemals eigenständige Buchhandlung Tabula am Holzmarkt übernommen. In unmittelbarer Nähe zum Antiquariat Heckenhauer, in dem Hermann Hesse seine Buchhändler-Lehre absolvierte, zeichnet sich "Osiander Aktuell" seitdem durch ein besonders "niedrigschwelliges", sprich niveauarmes Sortiment aus. Gleiches gilt für die Zweigstelle an der Neckarbrücke, die eine Art zweite Bahnhofsbuchhandlung darstellt ("Osiander City"). Auf der anderen Seite steht die Schließung der Filiale auf der Morgenstelle, die v.a. naturwissenschaftliche Fachliteratur vertrieb, im Jahr 2013.
Nun aber ist das Tübinger Osiander-Netz endgültig umgebaut worden: die bisherige Hauptniederlassung in der Wilhelmstraße wurde geschlossen. Etwa einen Monat zuvor wurde das bisher von einem Eisenwaren-Geschäft genutzte Haus in der Metzgergasse 15 in eine eigene Kinderbuchhandlung umgewandelt. Diese Entfernung der Kinderbücher aus der bereits länger bestehenden "Gemischtwaren"-Osiander-Filiale in der Metzgergasse 25 war gewissermaßen der vorbereitende Schachzug zur Schließung der bisherigen Hauptniederlassung. Die bisher in der Wilhelmstraße angesiedelten Fachbücher (inkl. anspruchsvoller Literatur) wurden dorthin verlagert. Gefeiert wurde zweimal: einmal die Neueröffnung von "Osiander Kids" (!!!), einmal die "Neueröffnung" der Filiale in der Metzgergasse 25 mit einverleibtem Wilhelmstraßen-Sortiment - auch wenn in diesem Fall eigentlich keine Neueröffnung erfolgt ist, höchstens eine Neuöffnung und v.a. eine Schließung. Die wird aber normalerweise nicht
gefeiert. Gefeiert wurde aber eifrig: mit einem der entsprechenden Samstagsausgabe des Schwäbischen Tagblatts beigelegten Gutschein, der sich auf alles außer Bücher bezog:
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| Was mag es in einer Buchhandlung geben, das nicht der Buchpreisbindung unterliegt? |
Außerdem gab es ein Sonderangebot
zur Umeröffnung, bezeichnenderweise ein als "Kitchen Craft" bezeichnetes Küchenutensil.
![]() |
| Bücher seit 1596 - "Kitchen Craft" |
Als Gründe für diese Neuordnung wurden genannt: 1) Der Laden gegenüber der bereits bestehenden Filiale wurde frei. 2) Der Umsatz in der bisherigen Hauptniederlassung ging zurück, angeblich, weil Studierende und sonstige Universitätsangehörige ihre Literatur nicht mehr vor Ort kauften. In
der Sonderveröffentlichung der Zeitung wurde eigens darauf verwiesen, dass das
Stammhaus seit seiner Gründung schon mehrfach neue Räume bezogen habe. Das klingt schon fast nach schlechtem Gewissen.
Die Verramschung des eigenen Anspruchs war aber auch im bisherigen Stammhaus seit Längerem vorbereitet worden. So wurden die teilweise sorgfältig thematisch gestalteten Schaufenster durch Ramschkästen mit überholten Auflagen von Wörterbüchern und Reiseführern, Malbüchern und billigen Bildbänden zugestellt. Die neue Hauptfiliale bedeutet diesbezüglich einen signifikanten Zuwachs von Ramschkastenmetern.
Ist diese ganze Darstellung nur relevant für die Tübinger Situation? Ich glaube nicht: die veränderte Schwerpunktsetzung ist überall im Buchhandel zu spüren. In anderen Städten war die Entwicklung weg vom (anspruchsvollen) Buch und hin zu Kalendern, Kochbüchern, Topflappen und Spätzleshaker vermutlich sogar noch früher vollzogen worden.
Zusamenfassend lässt sich sagen: wer sich für Fachbücher und
anspruchsvolle Literatur interessiert, wird wohl kaum den zwischenzeitlich durch rote Fußspuren auf dem Gehweg markierten Umweg in die
Metzgergasse machen, sondern den direkten Weg zu Gastl oder HPWilli finden.
Ich
fürchte ja, mit den Buchhandlungen ist es ein bisschen so wie mit den Kirchen: sind sie
erst mal aus dem näheren Blickfeld verschwunden, erinnert sich kaum
einer noch daran, dass es mal Gründe gab, dort hinein zu gehen.
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